Adeus Portugal – es war traumhaft!

Schweren Herzens haben wir uns schließlich doch losgerissen von Portugal, nach 24 erlebnisreichen und erholsamen Tagen. Hier das Protokoll der noch ausstehenden Zeit seit jenem kitschigen Sonnenuntergang bei den Hafenkränen von Sines:

21. September: Am Strand von Sines gibt es jede Menge flache Steine, dunkle und helle – perfekt für den Matheunterricht, die einen sind Zehner, die anderen Einer. Auch der Wind ist prima, und zwar für unsere Drachen. Im gleichmäßigen Luftstrom erweist sich Antonia als geborene Lenkdrachen-Pilotin, sie macht das auf Anhieb erstaunlich ruhig und abgeklärt. Anschließend genehmigen wir uns eine kleine Städtchen-Rundfahrt durch Sines mit einem klaren Ziel: McDonald’s. Wir surfen endlos im „Free WiFi“ (u.a. für meinen letzten Blog-Eintrag und die Bildersicherung in einer Cloud) und fahren danach ein Stück weiter südlich die Praia das Furnas an, eine Bucht mit langem Sandstrand, in der sich ein großer Fluss ins Meer ergießt.

22. September: Auf den Kunstunterricht – wir malen Amphibienfahrzeuge und kneten lustige Tiere und einen Gummibär, der ein paar Tage mit uns leben wird – folgt nahtlos eine Sportstunde in Form von Slalomrennen und Spazieren am Strand. Dann fahren wir weiter bis kurz hinter Aljezur und sind wahnsinnig gespannt auf unser Ziel: Wir besuchen eine frühere Nachbarin von mir, Florence, die mit ihrer kleinen Familie in dieser schönen Gegend wohnt. Über eine abenteuerliche Piste gelangen wir zu dem einsam gelegenen Haus, werden herzlich empfangen, erkunden die Umgebung (ich mache mit Valentin eine unserer legendären Entdeckungswanderungen, bis weit hinten auf die Klippen) und verbringen einen sehr unterhaltsamen, inspirierenden und einfach schönen Abend im Wohnzimmer (das uns enorm groß erscheint).

23. September: Wir wachen gemütlich und gemächlich bei Florence auf, stellen die Stühle hinter den Nugget (mit Blick aufs Meer) und bekommen prompt Besuch von der kleinen Claire, die ihr Müsli bei uns löffelt. Anschließend wandern wir nochmal zum Strand, um ihn bei Ebbe zu erleben, klettern an einem herumhängenden Seil auf den Klippen herum, machen dann alle eine vernünftige Siesta und verabschieden uns schließlich von unseren Kurzzeit-Gastgebern, um zum südwestlichsten Punkt Europas zu fahren, dem Cabo São Vicente. Unser Ziel für die Nacht ist der „Hippie-Strand“ Praia do Barranco, wo ich bei Dunkelheit mit viel Hingabe Fleischbällchen für die hungrige Meute drehe, um dann bei Tisch festzustellen, dass wir das Ketchup am Abend zuvor nicht eingepackt haben. Drama, Valentin ist am Boden zerstört. Also renne ich von Bus zu Bus, um das rote Gold zu schnorren, aber erst bei den singenden Studenten vorne am Strand werde ich fündig: Curry-Ketchup. Gut, dass wir die darin ertrunkene Wespe ganz zum Schluss finden…

24. September: Nun wird es richtig gechillt, die Sonne scheint, es ist windstill, das Wasser ist schon viel wärmer als an der Westküste. Die Wellen sind vormittags perfekt für die Kinder auf den Bodyboards, nachmittags werden sie immer höher, nun wagen sich die Großen mit Flossen und Boards hinaus. Abends wandere ich mit Vali zum Aussichtsfelsen links vom Strand, um die Brecher, die dann schon mal vier Meter hoch werden, von oben zu beobachten.

25. September: Erneuter Strandtag, die Wellen sind wieder kleiner, dafür bläst der Wind relativ unbarmherzig. Wir wandern nochmal geschlossen auf den Aussichtsfelsen, machen die normalen Dinge wie Burgen bauen und Drachen steigen lassen – und sind allmählich etwas genervt von den unzähligen Hunden, die hier aus den ganzen lotterigen Bussen quellen und den Strand bevölkern. Und von den vielen von Klopapier überfluteten Büschen (siehe Foto). Abends verhocken wir bei den Studenten mit dem Ketchup, lauschen der Gitarre und beobachten Sternschnuppen.

26. September: Wir schleppen unser Frühstücksequipment Richtung Strand und sitzen lange mit Freunden zusammen, die wir vom Oyambre-Beach kennen und die auf der Elternzeit-Fahrt mit ihrer kleinen Tochter inzwischen auch hier gelandet sind. Gegen Mittag sagen wir dem Strand adieu und steuern in Lagos insgesamt drei Supermärkte an, bis wir ausreichend vernünftiges Müsli und erschwingliche Sonnenmilch gefunden haben. Dann stranden wir mal wieder im McDonald’s-WiFi, ich lade einen Haufen Apps auf mein neues Handy und bringe es doch nicht zum Laufen. Also laufen bzw. spazieren wir schließlich anderweitig, und zwar entlang der herrlich zerlöcherten Felsen, die sich gleich hinter der Festung von Lagos aufbauen und so typisch sind für die Algarve. Am Leuchtturm bei der so genannten Punta da Piedade sind sie am spektakulärsten. So gut gefallen sie uns, dass wir für den nächsten Tag eine Kayaktour buchen.

27. September: Nach dem Unterricht heißt es: auf zum Kayak fahren! Zunächst ist es wolkig, doch dann erbarmt sich der Wettergott und wir gondeln bei vollem Sonnenschein durch die Felsentore: Anke und Valentin, Jochen und Antonia, die Kinder paddeln wie wild. An einem Strand macht die Gruppe Station, wir schnorcheln ein wenig – aber das Wasser ist ziemlich aufgewühlt, die Sicht folglich minimal. Über Wasser ist es ohnehin spannender. Zurückgeschleppt werden wir mit einem Motorboot, auch mal lustig. Unsere Weiterfahrt an der Küste endet im absoluten Traum, dem Stellplatz aller Stellplätze, ganz oben und ganz vorne auf einer Klippe mit grandioser Aussicht.

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28. September: Die nächsten Tage stehen unter dem Motto „den Traum genießen“. Unterhalb unserer Klippe befindet sich ein „Geheimstrand“, der nur durch einen Tunnel erreichbar ist. Der Strand nebenan ist der von Benagil mit der berühmtesten Grotte der Algarve. Hier verbringen wir wunderbare Stunden. Beispielsweise schwimmen wir mit Boards, Flossen und Schwimmwesten in die Gruta do Benagil und, gut bewacht von einem Rettungsschwimmer mit Jetski, die circa 700 Meter zu unserem kleinen Strand. Dort baden und spielen die Kinder mit ihren Bodyboards stundenlang in den Wellen, sind einfach nur glücklich und ausgelassen.

29. September: Noch ein Badetag, die Wellen sind allerdings größer, Valentin wird zweimal gründlich „gewaschmaschint“. Später entdecken wir eine Ansammlung von Booten weiter draußen auf dem Meer und verstehen kurz darauf auch, warum sie so dicht zusammen kleben: Sie verfolgen eine größere Gruppe von Delfinen, immer wieder sehen wir in der Ferne die schönen Tiere weit aus dem Wasser springen. Irgendwann schlendern wir zum Duschen und Eisessen an den großen Strand und machen dann eine abendliche Klippenwanderung. Immerhin vier Kilometer sind es bis Lagoa, und dann latschen wir auch noch durch den halben Ort bis zum Supermarkt… Zum ersten Mal kommt dort ein extremes Touri-Feeling auf, wir flüchten mit dem Taxi und unseren Einkaufstüten zurück zum Geheimstrand.

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30. September: Heute sind die Wellen wieder genau richtig. Ich „gruschtle“ noch am Nuggi und genieße die Zeit für mich, meditiere ein wenig auf unserer Klippe, während der Rest bereits ins Meer stürmt. Irgendwann machen wir erschöpft Siesta im Nugget, dann das übliche Programm: Zum großen Strand, aber diesmal nicht nur zum Duschen und Eisessen, sondern um erneut in die Grotte zu schwimmen, zu baden und zu boarden – und dann eben: Dusche und Eis. Zum Ausklang des Tages grillen wir mit unseren Stellplatz-Nachbarn, die vor der Heimfahrt ihr Gefrierfach voller polnischer Würste leeren müssen und genießen – und es nützt sich wirklich nicht ab!! – einen Mega-Sonnenuntergang, der gefühlte Ewigkeiten nachglüht.

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1. Oktober: Es fällt uns schwer uns von diesem Traum-Stellplatz zu trennen – aber wir haben ja noch so viel vor… Unser Weg führt uns zunächst nach Fiesa zur „Sand City“, der angeblich größten Sandstadt der Welt, bestehend aus unzähligen kunstvollen Sandfiguren. Von David Bowie über den Kung Fu Panda bis zur Lissaboner Straßenbahn hat sich hier viel Originelles versammelt. Anschließend: Boxenstopp, es gibt eine Supermarktkette mit Münz-Waschmaschine auf dem Parkplatz, d.h. wir waschen während des Einkaufens und trocknen während des Mittagessens. Danach folgen wir einem Tipp unserer Kurzzeit-Nachbarn und fahren an eine Stelle, wo man super in den Klippen herumklettern kann. Da es unglaublich heiß ist, zieht es uns aber bald ans Wasser, wir Gondeln nach Portimão und stürzen uns dort ins Meer. Nicht allerdings ohne vorher die Marina gecheckt zu haben – denn hier im Sportboothafen wartet für den folgenden Tag ein Abenteuer auf uns…

2. Oktober: Es lebe die Unvernunft! Wir haben tatsächlich ein Motorboot gemietet, für einen ganzen Tag, 140 PS (was nach Antonias Logik bedeutet, dass wir 140 km/h fahren können…). Wir schauen uns die komplette zerklüftete Küstenlinie zwischen Lagos und Armacão da Pêra von der Wasserseite aus an – das sind in Summe mehr Höhlen als Valentin zählen kann! Wir brettern mit Vollgas übers Meer, schaukeln langsam vor schönen Felsen, dümpeln zur Mittagspause in einer Lagune, lassen die Kinder lenken… Es macht, ich muss es zugeben, einfach Spaß. Nur Delfine wollen sich nicht zeigen, aber da haben wir sicher andernorts noch Chancen…

3. Oktober: Der Plan für heute war: Weiterfahrt nach Sevilla. Abends hatten wir uns noch bis kurz vor die spanische Grenze katapultiert – auf einen Stellplatz am Strand. Noch vor dem Unterricht checken wir diesen kurz ab, um zu prüfen, ob er sich als Motivator eignet. Und ob! Ganz anders als die versteckten Buchten der letzten Tage, aber auch paradiesisch: kilometerlanger Sandstrand. Wenn die Flut da ist, krachen die Wellen massiv an das steil ansteigende Ufer, bei Ebbe kann man weit und flach ins Meer hinaus waten. Es ist also für jeden Geschmack etwas dabei – und so befinden wir uns nach der Deutschstunde nicht etwa im Auto Richtung Spanien, sondern irgendwo zwischen Wellen und Sand. Ein paar Meter neben uns sehen wir zwei Mädchen etwa im Alter von Antonia und Valentin an einer Sandfestung arbeiten. Wir bieten unsere Hilfe an, denn mit Sandburgen haben wir ja ganz gut Erfahrung. Durch Gräben und Wälle sichern wir das Bauwerk ab, so dass es der Flut erstaunlich lange trotzt. Nebenher lernen wir auch die jüngere Schwester und die Eltern der beiden Mädels kennen – eine unheimlich nette Familie aus der Gegend von Hamburg, die sich die Sonne Südportugals für die Herbstferien ausgesucht hat. Wir verstehen uns so gut, dass wir – Highlight 1 – den restlichen Nachmittag gemeinsam verbringen und die jeweiligen Pläne für den nächsten Tag über den Haufen werfen, um uns nochmal am Strand zu verabreden. Und der Tag hat noch mehr tolle Überraschungen für uns parat. Highlight 2: Ich entdecke eine auch in der Offseason funktionierende Außendusche, unter der man sich ungestört einshampoonieren kann. Was für eine Wohltat, dieses klare Wasser, diese nicht-klebenden Haare (dafür musste ich allerdings fünf Mal Shampoo auftragen). Zurück am Nugget folgt Highlight Nummer 3: Eiswürfel! Ja, Cuba Libre mit Eiswürfeln (und koffeinfreier Cola, damit man schlafen kann 😋), ein Gedicht! Gesponsert haben uns diese Wohltat unsere direkten Nachbarn von zwei Meter weiter, ein cooles Paar aus Frankfurt, zwei junge Leute, die ihre sieben Wochen zwischen Studienabschluss und Arbeitsbeginn so sinnvoll nutzen, wie es nur geht: auf Tour in ihrem schnuckeligen Campingbus namens Balou. Der Abend wird länger und sehr unterhaltsam.

4. Oktober: Wir beeilen uns mit dem Unterricht und stürmen an den Strand. Eine gute Stunde später tauchen auch unsere neuen Freunde auf und es wird ein sehr gemütlicher Nachmittag mit Wellenhüpfen, herrlich verziertem Sandkuchen und vielerlei Gemälden im Sand. Dazwischen finden wir kurz Zeit, um uns über das nächste Ziel zu verständigen: Wir streichen Sevilla zugunsten von Marokko und fahren nach einem exquisiten Abendessen (Nudeln mit Gorgonzola-Portwein-Sauce) in einer Nachtaktion (mit friedlich schlafenden Kindern) direkt nach Gibraltar…

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