Gesamtkosten – und wie sie sich drücken lassen

Wie im letzten Eintrag versprochen: Hier kommen die Gesamtkosten unserer Reise. An den „sonstigen Kosten“ (siehe erster Blogartikel zu dem Thema im Januar) hat sich nichts verändert, diese liegen weiterhin bei etwa 1.000€, und so erhalten wir in Summe:


• Laufende Kosten Europa (75 Tage): 6.080€
• Laufende Kosten „Transkontinentalien“ (203) Tage: 17.660€
• Flüge und Fähren: 9.323€
• Otto/Ulla in Neuseeland: 1.300€
• Sonstige Kosten 1.000€
⇒ Gesamt (278 Tage): 35.363€


Diese Kosten bilden unsere individuelle Weltreise ab, bei der wir nach Lust und Laune auch ein paar kostenintensive Abstecher gemacht haben. Hier und da hat sich spontan eine Möglichkeit zum „Geldverschwenden“ ergeben, genauso haben sich aber auch unerwartete Einsparpotenziale aufgetan. Rückblickend bzw. fürs nächste Mal bzw. für Nachmacher fragen wir uns an dieser Stelle:

Geht es auch etwas günstiger?

Aber Ja! Es muss ja nicht gleich eine Weltreise sein (auch uns fehlt übrigens noch New York, Rio, Tokio…). Wenn man sich auf ein einziges Land oder eine Region (z.B. Neuseeland) fokussiert, entfallen natürlich viele Reisekosten. Flüge Frankfurt-Auckland und zurück gibt es (Stand 08/2018) bereits ab 712€ . Damit ergeben sich schon mal deutlich geringeren Flugkosten von etwa 3.000€ (4×750€). Aber auch die Startkosten, bis man sich im neuen Land zurechtgefunden hat, fallen nur ein einziges Mal an. Der Aufenthalt in Flughafennähe bei Ankunft und Abflug (Transport, Hotel, Essen) war immer teurer als im Landesinneren, und es hat jedesmal ein paar Tage gedauert, bis unsere Ausgaben und wir uns eingegroovt hatten. Vermutlich werden auch die Kraftstoffkosten etwas geringer ausfallen, da ihr ja nur ein Land bereist. Insgesamt erwarte ich damit laufende Ausgaben von ca. 66€ pro Tag, ähnlich wie sie sich bei uns in der zweiten Neuseeland-Reisehälfte eingependelt hatten, als wir nicht mehr so „schnell“ gereist und länger an den schönen Stellen geblieben sind. Wenn wir also davon ausgehen, dass ihr genauso viel Glück beim Kauf/Verkauf eures Fahrzeugparks habt, dann schätze ich folgende Gesamtkosten ab:


• Laufende Kosten Startphase (9 Tage x 160€): 1.600€
• Laufende Kosten (269 Tage x 66€): 17.750€
• Flugkosten + NZ Fähre: 3.450€
• Fuhrpark: 1.300€
• Sonstige Kosten: 1.000€
⇒ Gesamt: 25.100€


Na sieh mal einer an! Wenn ihr also nicht (so wie wir) quer durch die Welt fliegt, sondern euch auf eine Region fokussiert, dann lässt sich doch eine ordentliche Summe einsparen. Und das ohne nennenswerte Einschnitte, was die Abenteuer und Erlebnisse betrifft. In der zweiten Neuseelandhälfte waren wir genau in diesem Stil unterwegs – und es war schlichtweg wunderschön!

Klar, auch 25.000 Euro sind noch eine gehörige Menge Geld, die man erst auf der hohen Kante haben muss. Immerhin ist das grob die Differenz zwischen einem neuen BMW und einem neuen Dacia… Aber wenn man dabei berücksichtigt, dass die Steuererstattung reisebedingt höher ausfallen wird und ihr ggf. noch Haus oder Wohnung in der Zwischenzeit untervermieten könnt, dann zeigt sich: Man muss nicht Privatier oder reicher Alleinerbe sein (sind wir beides nicht, schade), kein abbezahltes Haus (davon sind wir noch weit entfernt….) oder 500.000€ auf dem Konto haben (wäre auch schön), um sich an solch ein Abenteuer heranwagen zu können.

Geht es noch günstiger?

Ja, es geht noch günstiger. Wir waren während unseres Neuseelandaufenthalts zweimal bei WWOOFing-Gastgerben zuhause. Beim WWOOFing (willing workers on organic farms) hilft man auf einer Farm mit und erhält dafür freie Unterkunft (brauchten wir ja dank Wohnwagen eigentlich nicht) und Verpflegung. Das geht oftmals auch mit Kindern, unsere hatten größten Spaß beim täglichen Füttern der Tiere. Unsere Gastgeber hatten die Kids schnell ins Herz geschlossen und hatten auch überhaupt keine Probleme damit, dass nur zwei der vier Wwoofer wirklich operativ arbeiteten (zumal wir dank unserem Wohnwagen ja auch keine Unterkunft beanspruchten). Meist ist die Arbeitserwartung im Mittel um die vier Stunden pro Tag, so dass genügend freie Tage (+ Wochenenden) für alle möglichen Touren und Abenteuer bleiben. Theoretisch könnte man seine Ausgaben damit zeitweise auf 0€ pro Tag reduzieren. Da wir an unseren freien Tagen und Wochenenden auf diversen Touren und Abenteuern unterwegs waren, hat sich unser Budgetbedarf während der Wwoofing-Phasen auf ca. 35€ pro Tag eingependelt. Gehen wir also von den gleichen Kosten wie im obigen Beispiel aus, setzten aber 150 Wwoofing-Tage ein, dann erhalten wir:


• Laufende Kosten Startphase (9 Tage x 160€): 1.600€
• Laufende Kosten „normales Sabbatical“ (119 Tage x 66€): 7.850€
• Laufende Kosten Wwoofing (150 Tage x 35€): 5.250€
• Flugkosten + NZ Fähre: 3450€
• Fuhrpark: 1.300€
• Sonstige Kosten: 1.000€
⇒ Gesamt: 20.450€


Nochmal fast 5.000 Euro eingespart. Wenn man auf diesem Kostenniveau unterwegs sein will, muss man natürlich schon erste Kompromisse eingehen und bereit sein eine gewisse „Muskelhypothek“ einzubringen. Es würden aber trotzdem noch locker genügend Abenteuerzeit zum Erkunden des Landes und Familienzeit zum Kuscheln übrigbleiben. Immernoch ein nahezu vollwertiges Familien-Sabbatical, das eure Kids lieben werden.

Geht es noch noch günstiger?

Ja, es geht immer noch ein bisschen was. Wenn wir auf dem vollwertigen Sabbatical-Niveau bleiben wollen, dann kann man natürlich noch die Reisezeit etwas reduzieren. So richtig tiefenentspannt vollerholt waren wir auf alle Fälle bereits nach sechs Monaten Reisezeit. Aus meiner Sicht schon ein wirklich ausreichend langer Zeitraum, bei dem sich der Flug quer um die Weltkugel trotzdem noch absolut lohnt. Rechnen wir folglich mit 180 Tagen, davon 100 Wwoofer-Tage, dann landen wir bei:


• Laufende Kosten Startphase (9 Tage x 160€): 1.600€
• Laufende Kosten „normales Sabbatical“ (71 Tage x 66€): 4.686€
• Laufende Kosten Wwoofing (100 Tage x 35€): 3.500€
• Flugkosten + NZ Fähre: 3.450€
• Fuhrpark: 1.300€
• Sonstige Kosten: 1.000€
⇒ Gesamt: 15.500€


Und geht es noch noch noch billiger?

Ja, auch das geht… Aber… Natürlich kann man den Rotstift noch weiter ansetzen und z. B. schlicht noch mehr Wwoofen und dabei keine großen Abenteuertouren machen (d.h. die theoretischen 0€/Tag anpeilen), generell also auch kaum Museen, Touren oder Rundfahrten buchen. Zum Teil könnte man die Reisekasse auch als Erntehelfer aufstocken oder an der Straße Gitarre spielen. Aber man muss sich im Klaren sein, dass irgendwann die Grenze zwischen günstig und billig überschritten wird. Das Sabbatical verdient seinen Namen dann eigentlich nicht mehr, sondern verwässert irgendwann zu einem normalen Arbeitsjob, nur eben woanders. Aber gut, wenn ich testweise für ein halbes Jahr sparsame 15€/Tag während des Dauer-Wwoofings ansetze, dann landen wir bei:


• Laufende Kosten Startphase (9 Tage x 160€): 1.600€
• Laufende Kosten dauer Wwoofing (171 Tage x 15€): 2.565
• Flugkosten + NZ Fähre: 3.450€
• Fuhrpark: 1.300€
• Sonstige Kosten: 1.000€
⇒ Gesamt: 9.900€


Wenn ihr jetzt noch Steuererstattung und ggf. sogar Hausvermietung gut organisiert habt, dann kann es euch passieren, dass ihr das Sabbatical – sorry, Arbeitsurlaub – mit einer schwarzen Null abschließt. Immerhin, wer sich mit diesem Budget in die weite Welt wagt, wird sehen: Auch das ist machbar, wenn auch mit entsprechenden Entbehrungen. Aber lest doch mal bei www.amanda-trabanthea.de … Man kann sogar mit noch weniger Budget wunderbare Reisejahre verbringen!

Ob nun 100, 35, 25, 20, 15 oder gar „nur“ 10 Tausend Euro zur Verfügung stehen: Meist ist nicht das Finanzbudget der schwierigste Punkt bei einem Familien-Sabbatical, sondern das wirkliche Wollen und Tun. Entscheidend ist, den entsprechenden Mut aufzubringen, um ein solches Projekt auch wirklich anzugehen und umzusetzen. Die Kraft zu haben, dies aus der Alltagshektik heraus zu planen (Hausvermietung, Homeschooling, Versicherungen etc., siehe Weltreise-Wissen) und zu starten. Und sich dann immer wieder in der Familie abzustimmen und sich in Do-it-Yourself-Manier durch Abenteuer, Herausforderungen und auch mal Widrigkeiten zu bewegen.

Wenn ihr euch das alles zutraut, dann nix wie ab in Phase 1… Nein, besser gleich Phase 3 in „Wie plant man ein Sabbatical“

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