Thank You Lyn and Hans for Great Working on Your Organic Farm

Bei dieser Etappe dreht sich fast alles um unseren ersten Arbeits- und Spaßaufenthalt auf einem neuseeländischen Bauernhof – mit Vor- und Nachspiel am Strand bzw. im Abenteuerland.

14. Januar: Oreti Beach, 30 Kilometer lang, direkt bei Invercargill. Mehr muss man gar nicht schreiben. Umringt von unzähligen Neuseeländern, die alle völlig selbstverständlich mit dem Auto auf den Strand fahren, genießen wir einen entspannten Sonntag am Meer. Wir buddeln dicke Muscheln aus und beobachten, wie sie Wasser pumpen. Ich bekomme unzählige Sandkuchen serviert und sitze dabei natürlich ständig mitten in der Rennbahn von Valentins Plastikjeep. Abends stehen wir dann plötzlich allein vor den Dünen – auch sehr schön.

15. Januar: Der Vormittag gehört Schule und Strand, dann gehen wir ins größte Museum Invercargills und sehen uns unter anderem dessen berühmte Mini-Dinos an, mit korrektem Namen Tuataras genannt. Diese Echsen gab es schon zu Dino-Zeiten, sie wachsen ganz langsam und das jahrzehntelang – und sie werden bis zu 150 Jahre alt! Dann geht’s weiter Richtung Fiordland, Zwischensation: Clifden am Waiau River. Als wir endlich an der alten, für den Autoverkehr längst gesperrten Clifden Suspension Bridge von 1902 ankommen, ist die eben noch stechende Sonne weg, es ist wolkig und windig. Aber das macht einer Wasserfamilie selbstverständlich nichts aus – wir hüpfen an der nächstbesten Kiesbank in den Fluss (ich allerdings eher aus Vernunftgründen, um am nächsten Tag auf der Farm einen sauberen Eindruck zu machen)!

16. Januar: Mal wieder ein Abenteuer gefällig? Dann ab in die Clifden Cave. Ungefähr so lang wie unsere erste Durchquerungshöhle am Arthur’s Pass, aber ohne das viele kalte Wasser um die Knöchel. Der Eingang ist ein unscheinbares Loch in einer Schafsweide, der Ausgang auch. Die 600 Meter dazwischen sind durchzogen von Tropfsteinen, kleinen Seitenhöhlen und rundgewaschenen Felsblöcken. Zum Glück markieren jede Menge Reflektorpfeile den richtigen Weg – bei der Anzahl an Abzweigungen wären wir sonst hoffnungslos verloren. Nach der Höhlentour sitzen wir aufgeregt im Auto: Jetzt geht es zu unserer WOOFING Farm, also: Working on Organic Farms, erster Versuch…

17. bis 24. Januar: Die Bewohner „unserer“ Farm sind wahnsinnig nett, offen und großzügig. Von Lyn lernen wir schnell, welche Tiere wie zu füttern sind: Die kleinen Kälbchen kriegen Heu mit Magnesium-Pulver und Kraftfutter, die Kälber über 100kg, die beiden unverkäuflichen „Rest-Kälber“ vom Vorjahr (eins hinkt, das andere ist zu klein) und der wilde Hengst Maverick bekommen nur Heu, die beiden anderen Pferde Jessica und Jimmy dürfen sich je über einen Eimer Spezialfutter freuen und Schwein Wilba ist wild auf die Küchenabfälle. Für die ist unser Gastgeber Hans zuständig – er bekocht uns wunderbar (besaß früher ein eigenes Restaurant). Lyn und Hans haben zudem ein Bauprojekt für uns: Ein Schuppen muss renoviert werden, bevor der Regen (der in diesen Tagen praktisch nicht in Erscheinung tritt) das Ding besiegt. Erwartet werden nur um die vier Stunden Arbeit, deshalb bekommen unsere Tage bald folgenden angenehmen Rhythmus: Frühstücken, Schuppen bauen (bzw. bei den Kindern alternativ oft Lego), Baden gehen im benachbarten Lake Manapouri, Tiere füttern, gemeinsames Abendessen, gemütlicher Nacht-Plausch. Ein paarmal packen wir für Antonia noch eine Reitstunde dazwischen. Wir schlafen weiterhin in unserer Ulla, fühlen uns ansonsten aber im großen modernen Haus von Hans und Lyn wie daheim. Dort dürfen wir das Bad der 18-jährigen Tochter Harmana mitbenutzen, uns in der Speisekammer bedienen, vor dem ständig laufenden Fernseher sitzen, ganz viel Wäsche waschen. Jochen leiht sich ein paar Werkzeuge, so dass Ulla nun an zig Stellen neu zusammengenietet ist und wieder über einen funktionierenden Kühlschrank und Dämpfer verfügt, yeah!

Einige Aktionen stechen aus dem ruhigen, fröhlichen Farmleben heraus und bekommen deshalb ein paar Extra-Sätze:

19. Januar: Wir fahren früh um sechs Uhr los zum berühmten Milford Sound, wollen das Ausflugsboot um neun Uhr erwischen. Die Stimmung kurz nach Sonnenaufgang ist einzigartig, überall wabern kleine weiße Morgennebelwolken umher. Wir machen einen kurzen Stopp bei den Mirror Lakes, in deren ruhiger Oberfläche sich die Berge besonders schön spiegeln. Sollte eigentlich der einzige Stopp sein, aber wir brauchen zwei mehr: Antonia, die nachts schon über Bauchweh klagte, muss sich zweimal übergeben. Trotzdem schaffen wir es rechtzeitig aufs Schiff und genießen die zweistündige Fjord-Fahrt bis zum offenen Meer und wieder zurück. Unterwegs sehen wir nicht nur jede Menge eindrucksvolle Wasserfälle, sondern auch Robben und Delfine. Anschließend sitzen wir noch lang auf der Hafenmole, bis wir uns schließlich losreißen können, um eine Mini-Wanderung zu einer Klamm hinterher zu schieben. Mehr ist mit der schlappen Antonia leider nicht drin, wir schonen sie lieber für ihren Geburtstag am Folgetag. Deshalb fahren wir durch den Homertunnel zurück und machen am Fuße des Gertrude Saddle, den wir gerne bestiegen hätten, ein kleines Picknick. Dabei sehen wir sogar drei Keas. Einer dieser schönen Bergpapageien ist gerade dabei Antenne und Türgummis eines Autos zu zerknabbern… Jetzt aber nichts sie heim zu „unseren“ Tieren! Nach dem Füttern backe ich einen Streuselkuchen für den Geburtstag. Da Lyn Antonia in der Zwischenzeit zum ersten Mal auf Jessica reiten lässt und ich das nicht verpassen will, verbrennt der Kuchen natürlich, musste so kommen. Ein eigener Kuchen für Schwein Wilba, wow! Als alle schon schlafen, schaffe ich es einen schönen Schokokuchen für mein Tönchen fertigzustellen – fast wie zu Hause.

20. Januar: Antonias achter Geburtstag! Wir singen lang, laut und schräg. Dann packt das Geburtstagskind seine Geschenke aus: ein Pferdekissen, damit der Hintern beim Autofahren auf der Sitzerhöhung nicht mehr schmerzt, ein Pferdebuch, ein Lego-Creator-Set mit Strandhaus und zwei zusätzlichen Bauplatten, ein Gutschein für eine Taucherbrille, Fingerstempelkissen und Tieraufkleber. Dann essen wir Kuchen. Und dann wird Lego gespielt, klar. Anschließend läuft alles nach Tonis Plan. Sie will ganz viel mit mir auf der Farm arbeiten, deshalb pflücken wir Gras für die Kälbchen, sammeln säckeweise trockene Pferdeäpfel auf, die dann vorn an der Straße verkauft werden und putzen die Melkmaschinen. Die Männer arbeiten derweil am Schuppen. Irgendwann gehen wir selbstverständlich alle baden, heute nehmen wir sogar Hund Eve mit und werfen tausendmal Stöckchen ins Wasser. Nach dem Tierefüttern bekommt Antonia eine extralange Reitstunde. Und als sie dann abends auch noch zwei Folgen von „Das geheimnisvolle Kochbuch “ gucken darf, ist der Geburtstag perfekt.

23. / 24. Januar: Nachdem wir mithilfe des kleinen blauen Traktors mal wieder alle Tiere mit Futter versorgt haben, brechen wir auf zu einer nachmittäglichen Wanderung mit Hüttenübernachtung. Wir gehen einen kleinen Teil des Kepler-Trecks, um nach etwa 1,5 Stunden auf einen Nebenweg abzubiegen, der uns zur Shallow Bay Hut bringt. Der Weg führt über Hängebrücken und durch wilden Urwald und endet am Ufer des Lake Manapouri, wo sich das Hüttchen unter riesige Bäume duckt. Nur sechs Betten stehen zur Verfügung – und wir kommen spät an. Doch wir haben Glück: Alle anderen Übernachter – ein deutsch-englisches Honeymoon-Pärchen und zwei Kiwi-Familien mit Motorbooten – schlafen in Zelten. Letztere bringen sogar unaufgefordert die entliehenen Matratzen zurück in die Hütten-Stockbetten und spendieren uns ein Bierchen. Wir genießen die Abendstimmung am See und die abenteuerlichen Holzschaukeln, die in einigen der Bäume baumeln. Nur schlafen wird dann schwierig. Die Matratzen sind sogar halbwegs bequem, aber es ist so heiß, dass wir nicht richtig tief in den Schlafsäcken bleiben können. Perfekte Angriffsfläche für Blutssauger. Und die machen was draus. Nicht die sonst so verbreiteten Sandflies, sondern größere Moskitos kreisen ununterbrochen mit diesem ekelhaften Surrgeräusch um unsere Köpfe. Nachts um drei schlafen wir immer noch nicht richtig, bemitleiden uns alle eine Runde und tragen nochmal Abwehrspray auf. Nur Valentin wehrt sich dagegen, mit fatalen Folgen, wie uns sein Streuselkuchengesicht am nächsten Morgen verrät.

Nach einem Frühstück am Seeufer und einem erfrischenden Bad wandern wir zurück, so dass wir am frühen Nachmittag wieder auf unserer Farm ankommen. Dort beenden wir die Arbeiten an unserem Schuppen soweit es eben geht (die Farbe reicht nicht für die letzten eineinhalb Bretter) und machen uns einen schönen gemeinsamen Abend, denn es ist unser letzter (nach neun Tagen haben wir das Gefühl weiterziehen zu wollen, denn uns bleiben nur noch drei Wochen auf der Südinsel).

25. Januar: Unterricht, Lego, Wäsche waschen, Hans‘ Küche wieder in Ordnung bringen… irgendwas ist immer noch zu tun, so dass wir erst gegen 14 Uhr wirklich die Biege machen. Nächstes Ziel: Queenstown. Unterwegs holen wir uns Fish’n’Chips, baden im Lake Wakatipu (dem mit 84 Kilometern längsten See Neuseelands, an dem auch Queenstown liegt) und kaufen mal wieder ein – haben wir lange nicht gemacht.

26. Januar: Im Unterricht arbeiten wir an einem Referat über Robben und können uns gar nicht losreißen. Am frühen Nachmittag raffen wir uns doch auf, die Action-Hauptstadt Neuseelands besser kennenzulernen. Hilft ja nix, wenn man schon mal da ist. Hans hatte uns gewarnt (er kann die Stadt nicht ausstehen) – und er hat recht: Größer kann der Unterschied kaum sein zwischen der idyllischen Ruhe auf seiner Farm und dem Treiben in Queenstown. Bisher nie erlebte Verkehrsstaus, Neubaugebiete allenthalben, ein Stadtzentrum voller Bars, Designerläden und Adventureanbietern (Bungee Jumping, Skydiving, Flying Fox, Helikopterflüge, Jetski, Fallschirm- und Jetbootfahrten, Quad-, 4×4-, Bike-, Segway- und sonstige Touren…) und ein See voller Action (am lustigsten finden wir einen Kerl mit Düsen an den Füßen, im Fachjargon wohl „Flyboard“ genannt). Wir gucken uns das eine Weile von Nahem an, dann von Weitem, d.h. von einer Passstraße aus. Und ich will plötzlich wieder den Schuppen reparieren – warum sind wir bloß weiter gefahren?

 

 

 

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