Schneeweiße Gletscher, schroffe Felsküsten und ständige Technikpannen

Nach Jochens Ausflug in die faszinierende Welt der Finanzen machen wir hier nun weiter mit der Sabbatical-Chronologie. Schließlich hängen wir tagebuchtechnisch ja noch immer im alten Jahr fest!!

27. Dezember: Das Wetter ist nur minimal besser als am Vortag. Was spricht eigentlich dagegen, sich einfach nochmal einen Nachmittag lang in die warmen Becken von Hanmer Springs zu setzen? Rein gar nichts. Vorher geben wir jedoch Jochens Neugier nach und fahren auf einen Bergsattel, der tolle Aussichten bieten soll. Nun ja, natürlich ist’s auch da oben wolkig und außerdem weit entfernt von hochalpin, eher lieblich-hügelig. Es festigt sich der Verdacht, dass Jochen weniger wegen des Panoramas als wegen des Weges hin wollte: Eine 4×4-Strecke, nur für Allradautos offen – und unser Fahrer nimmt zusätzlich jeden Seitenweg, den er finden kann. Die Entspannung in den heißen Quellen haben wir uns nach der Tour verdient. Und während wir baden, lädt unser Tablet im Free Wifi des Schwimmbads nicht nur den letzten Tagebucheintrag hoch, sondern auch jede Menge Filme und Bücher runter…

 

28. Dezember: Ich jogge auf einer der vielen wunderbaren Mountainbike-Strecken, während der Ehemann abspült und die Kinder Lego bauen – ach, was für ein Leben… Dann ziehen wir los Richtung Christchurch, kaufen dort ein (unter anderem endlich eine eigene Wolldecke für mich, damit es nachts keine Kabbeleien mehr gibt und mal wieder ein paar Ersatzteile für unsere Ulla). Wir fragen ein wenig herum und erfahren, dass man in Christchurch wohl durchaus ganz gut Silvester feiern kann. Also wird das unser Plan. Bis dahin wollen wir den östlichen Teil der Gegend um den Arthur’s Pass erkunden. Am Lyndon Lake schlagen wir unser Nachtlager auf, fahren mit dem vom Anhänger befreiten Otto aber noch weiter bis zu einem zauberhaften Ort namens Castle Hill. Über mehrere Hänge verteilt liegen dort bizarre, wunderschöne Felsen herum. Boulderer schleppen ihre Matten herbei zum Klettern in Absprunghöhe. Für die Maori ist es unter dem Namen Kura Tawhiti ein mystischer Ort. Und der Dalai Lama soll die Gegend als eines der spirituellen Zentren des Universums bezeichnet haben. Wir finden es einfach nur schön durch Margeritenwiesen von einem Felsen zum anderen zu laufen und in den Formationen Delfine, Elefanten und Leuchttürme zu erkennen.

 

29. Dezember: Heute erwartet uns ein echtes Abenteuer, der Cave Stream. Diese Kalksteinhöhle ist fast 600 Meter lang, wird von einem Bach durchzogen – und kann auf eigene Faust erwandert werden! Wir haben unsere Neoprenanzüge und Wasserschuhe an, Stirnlampen auf dem Kopf (ich hätte bei meiner vorher die Batterie überprüfen sollen, zum Glück darf ich Jochens nehmen, er leuchtet mit seiner extrastarken wasserfesten Taschenlampe) und wandern mutig los. Nach ein paar Metern müssen wir die Kinder durch hüfttiefes Wasser tragen. Danach ist es lange recht flach, die beiden können den Weg auf Felsbändern und im Bach selbst bewältigen. Antonia springt begeistert voraus, erklimmt sogar kleine Wasserfälle ganz alleine. Valentin fühlt sich ebenfalls wie ein ganz großer Entdecker, will allerdings nach einiger Zeit immer öfter auf meinen Arm – ihm ist kalt. In der Tat sind 600 Meter hier unten irgendwie viel länger als oben auf der Wiese. Und viel spannender: Die Höhle ist zum Teil bis zu zehn Meter hoch, wundersam geformt, voller kleiner Seitenarme. Über Metallsprossen in einem großen Felsblock und eine niedrige Kriechstelle gelangen wir schließlich wieder ins Freie, wo die stechende Sonne die Kälte schnell aus den Knochen jagt. Das war cool! Danach fahren wir hoch in das gegenüberliegende Skigebiet, um die Aussicht zu genießen und bleiben stundenlang an einem klaren Bergbach hängen, den wir mehrfach überbrücken und umleiten. Antonia und Jochen sind danach groggy, Valentin und ich fahren nochmal nach Castle Hill, wir brauchen noch eine Runde spirituelles Felsenhüpfen.

 

30. Dezember: Wir frühstücken an unserem See, danach geht es wieder Richtung Christchurch und weiter bis zur Governors Bay, wo wir einen exzellenten Platz für Ulla finden. Dann beschäftigen wir uns ausführlich mit der Küstenlinie. Erste Station nach wenigen hundert Metern: ein Café mit Panoramaterrasse und Mosaikgarten, in dem es die offiziell beste heiße Schokolade Neuseelands gibt. Für meine Version mit Ingwer kann ich das absolut bestätigen. Bei den Kindern waren sogar die Löffel aus Schokolade! Zweite Station: Lyttelton, hier ist der Hafen das Beeindruckendste, in dem gerade ein Schiff der US-Küstenwache liegt. Dritte Station: Sumner Beach, wo ein mehrfach durchlöcherter riesiger Felsklotz zum Klettern einlädt. Jochen denkt sich dabei so lustige Geschichten über die angeblichen Felsbewohner aus, dass wir vor Lachen fast runterfallen. Letzte Station: der deutlich einsamere Strand Taylor’s Mistake, den angeblich einst ein Kapitän irrtümlich für die Hafeneinfahrt hielt, mit ungünstigen Folgen.

 

31. Dezember: Eine australische Familie, die ebenfalls auf dem Bucht-Stellplatz übernachtet hat, erzählt uns von ihren Plänen: Antarktiszentrum, Schnee in den Alpen, ein Gehege mit Hirschen. Alles nun wahrlich keine Punkte, die ganz oben auf unserer NZ-Liste stehen. Dafür finden unsere Gesprächspartner Delfine sterbenslangweilig. Immer wieder erstaunlich, wie stark einen das eigene Umfeld prägt! Wie auch immer, der banale Alltag ruft: Die Handtücher müssen in die Wäsche, Valentins neues Dino-T-Shirt meinen Regeln entsprechend auch. Die Laundry ist glücklicherweise nicht weit weg vom genialsten Spielplatz in Christchurch, so dass wir die Wascherei ganz gut nebenher erledigt kriegen. Dann wagen wir uns in die Innenstadt und sind erschüttert vom trostlosen Anblick der halb eingestürzten Kathedrale und der vielen Brachflächen, die das schwere Erdbeben vom 22. Februar 2011 hinterlassen hat. In einem Museum zu dem Thema blicken wir noch genauer auf die Katastrophe und ihren Folgen, wobei sich die Kinder im Lego-Bereich eher zukunftsgewandt mit Modellen für den Wiederaufbau befassen. Am Arts Centre vorbei kommen wir anschließend tatsächlich in einen teilweise schon eindrucksvoll wiederaufgebauten Bereich. Die Aufschriften auf den glänzenden Glasfassaden bestätigen, dass auch in NZ alles den gewohnt kapitalistischen Gang geht: Banken und Beratungsgesellschaften. In einem Fünfminuten-Durchlauf begeistern wir uns im Folgenden für das Canterbury Museum, das leider gerade schließt. Wir beschließen am nächsten Tag wiederzukommen. Und ziehen weiter in den wunderschönen Botanischen Garten mit seinen irre dicken Baumriesen und unendlichen Blumenbeeten. Aus dem direkt anschließenden Hagley Park klingt Musik herüber. Als wir nachsehen, sind wir bereits mitten in der größten Silvesterparty der Stadt. Eine Live-Band spielt, die Leute sitzen gemütlich im Gras, wir genehmigen uns ein großes asiatisches Abendessen an einem der Stände. Dann kommt plötzlich extremer Wind auf, kalt und böig. Wir holen uns warme Sachen im Auto und bleiben zum Aufwärmen noch ein ganzes Weilchen drin sitzen. Als wir wieder zur Festwiese kommen, wird es schon dunkel und wir wippen und tanzen uns warm. Mit Countdown auf der Großleinwand und einem kurzen, aber tollen Feuerwerk begrüßt Christchurch das Jahr 2018. Es ist schön, in der Menschenmenge mitzuschwimmen. Auch ohne Sekt (Alkohol ist verboten) ein würdiger Jahreswechsel…

 

1. Januar: Wir machen einen kurzen Besuch in der „Cardboard Cathedral“, einer vorläufigen Kirche aus Kartonröhren. Dann fesselt uns das Canterbury Museum stundenlang. Der ausgerottete Riesenlaufvogel Moa, die Entwicklung der Maori-Kultur, die europäischen Einwanderer, eine Ladenzeile wie vor hundert Jahren, die vielen Vogelarten der Gegend, aber auch Ausstellungsbereiche über Südpol-Expeditionen und über Geologie und Dinosaurier… wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Bei einem Picknick im Botanischen Garten verdauen wir die vielen Eindrücke und fügen gleich im Palmenhaus neue hinzu. Beispielsweise lernen wir, dass sich Farne über Sporen vermehren – bis auf wenige Arten, die Mini-Schösslinge mitten an den Wedeln bilden, welche irgendwann runterfallen und Wurzeln schlagen. Farn-Fan Valentin ist begeistert. Ebenso auch von den fleischfressenden Pflanzen. Allerdings fehlt dort die Venusfliegenfalle, die er eigentlich am besten findet und nach unserer Rückkehr in seinem Zimmer züchten möchte… Nachdem sich die Kinder auch noch durch den Wasserspielplatz geplanscht haben, fahren wir weiter. Nun zieht es uns Richtung Aoraki (Mount Cook).

 

2. Januar: Heute brechen wir zeitig auf, um nicht allzu spät am White Horse Hill Campingplatz ganz hinten am Talende anzukommen. Denn es gibt nur diesen einen Stellplatz. Auf der Strecke liegen zwei größere Seen. Am ersten, dem Lake Tekapo, werfen wir einen Blick in eine Kapelle, die sich mit einem dreiteiligen Seeblick-Fenster anstelle eines Altarbilds schmückt. Der angrenzende Aussichtsberg Mount John weist eine stattliche Anzahl astronomischer Beobachtungsstationen auf – der Himmel ist hier besonders klar und wenig lichtverschmutzt. Am nächsten See, dem Lake Pukaki, fahren wir komplett entlang. Und als er uns lange genug mit seinem tiefen Blau angestrahlt hat, parken wir und hüpfen rein, ganz spontan. Gar nicht so kalt! Auf dem Campground ist zum Glück noch genügend Platz für unsere Ulla frei. Und so können wir den Nachmittag entspannt für eine Tour zum größten der drei hier zusammenfließenden Gletscherseen nutzen, dem Tasman Lake. Wie groß die darin treibenden Eisschollen sind, realisieren wir erst, als sich ihnen ein eigentlich gar nicht so kleines, jedoch winzig wirkendes Ausflugsboot nähert. Apropos Ausflugsgedöns: Hier am Touri-Hotspot zeigt dich mal wieder eindrucksvoll die Liebe der Neuseeländer zu schnellen, motorisierten „Abenteuer“-Fortbewegungsmitteln. Überall kann man Touren in Jeeps, Booten, Kleinflugzeugen oder Helikoptern buchen, um sich der Natur „wirklich“ zu nähern! … Gut, wir sind keinen Deut besser. Nach unserer Wanderung fahren wir mal wieder Allradstrecke mit Otto und kommen so sehr nah an die Abbruchkante des Gletschers. Der arme Otto ist danach leider ein wenig verkratzter als zuvor.

 

3. Januar: Was für ein unglaublicher Bergtag!! Das Wetter ist quasi perfekt, blauer Himmel mit ein paar vereinzelten weißen Wölkchen, Sonnenschein. Dick mit Sonnenspray eingerieben ziehen wir für unsere Verhältnisse richtig früh los, um neun Uhr sind wir bereits ins Hooker Valley eingebogen. Der Weg ist zwar einfach und breit, aber wegen der drei Hängebrücken über den Gletscherfluss und des unglaublichen Panoramas trotzdem total spannend. Der Hooker-Gletschersee liegt perfekt zu Füßen des Aoraki, der alte Herr blickt mit seinen grimmigen Schneefelder-Augen direkt zu uns herüber. Die im See treibenden Eisschollen verändern ständig ihre Form. Wir beobachten sie stundenlang. Jochen fischt sogar einen Brocken Eis heraus, den die Kinder gründlich bearbeiten, zerlegen und analysieren. Als wir uns schließlich vom See losreißen und noch ein wenig auf einer Seitenmoräne herumklettern, um die Gletscher-Abbruchkante besser zu sehen, schleppt Jochen eine weiße Plastiktüte, darin: der Rest vom Eisklumpen. Zurück am Wohnwagen genehmigen wir uns mehr als nur eine Cola auf Eis (und bei den Großen ist jeweils ein ordentlicher Schuss Rum dabei). So kommen wir darüber hinweg, dass unser Kühlschrank plötzlich aus heiterem Himmel streikt. Den Rest des Tages verbummeln wir entspannt im Schatten der Berge auf dem White Horse Hill Campingplatz.

 

4. Januar: Das Wetter ist immer noch prima. Deshalb: nochmal rein in die Wanderschuhe. Eine Mini-Tour führt uns zum Kea-Point mit Blick über den See des Mueller-Gletschers. Dann gehen die Meinungen auseinander. 2.000 Stufen würden steil den Berghang hinauf zu den Sealy Tarns führen, das hieße: Blick auf alle drei Gletscherseen gleichzeitig. Ich feilsche und kann immerhin das Angebot von 400 Stufen heraushandeln. Vorausrennend bringe ich in Erfahrung, dass bei Stufe 450 ein riesiger Aussichtsfels thront, von dem aus man immerhin zwei Seen im Blick hat. Als wir gemeinsam dort sitzen, bin nicht nur ich glücklich. Allmählich ziehen mehr Wolken auf, doch die Sonne knallt noch immer. Deshalb machen wir einen Badestopp am Lake Pukaki, dessen oberster halber Meter wunderbar warm ist. Taucht man tiefer, wird es sehr schnell sehr kalt. In Twizel wollen wir eigentlich nur unser Klo leeren, treffen auf dem Weg zur Dump Station aber auf drei riesige alte Baufahrzeuge, die vor 30 bis 50 Jahren zur Zeit der großen Staudammprojekte hier eingesetzt wurden. Auf alle kann man hochsteigen, yeah! Im weiteren Verlauf füttern wir in einer Lachsfarm Fische und klettern durch die bizarren Lehmfelsen der Clay Cliffs, was für ein actionreicher Tag!

 

5. Januar: Heute lassen wir es ruhiger angehen. Das bedeutet: den ganzen Vormittag lang Lego bauen. Da das Wetter besser ist als vorausgesagt, unterbrechen wir die Weiterfahrt bald und spazieren auf der größten Staustufe des Landes umher, dem Benmore Damm. Etwas weiter kaufen wir direkt am Straßenrand frische Nektarinen und Aprikosen. Dann fängt es doch an zu regnen. Deshalb ist Oamaru mit seinen Einkaufsmöglichkeiten inklusive Baumarkt ein guter Zwischenstopp. An den berühmten Moeraki Boulders vorbei fahren wir zu einem Übernachtungsplatz direkt am Strand. Die Felskugeln sind gerade von der Flut überspült, müssen also noch ein paar Stündchen auf uns warten. Während der Rest der Familie Video guckt (zwei Folgen von „Das geheimnisvolle Kochbuch“) und der Hackbraten im Ofen brutzelt, mache ich eine Joggingtour durch den benachbarten Trotters Gorge, der sich als wenig spektakulär erweist. Irgendwie spannend, ja fast ein bisschen unheimlich ist es aber schon, abends so alleine durch den Urwald zu laufen… Nach dem Essen wollen wir am wenige Kilometer entfernten Leuchtturm Pinguine beobachten. Sie kommen angeblich bis Sonnenuntergang vom Fischen heim. Doch das Tor ist verschlossen, schon seit 19:30 Uhr, also seit mehr als einer Stunde. Auch dieser Programmpunkt wird folglich vertagt.

 

6. Januar: Die Moeraki Boulders sind klein, rund – und völlig überlaufen. Trotz Nieselregen spazieren Massen von Leuten am Strand herum. Geologisch sind die Kugeln sicher abartig einzigartig, drauf herum klettern kann man auch prima, aber die ganz große Faszination mag sich nicht einstellen. Die kommt erst auf, als wir ein paar Kilometer weiter zum Shag Point abbiegen. Kurz vor diesem Aussichtspunkt parken wir vor einem Wohnhaus und steigen links vom Garten einen schmalen Pfad zum Meer hinunter. Die dortigen orangebraunen flachen Felsplatten sind übersät mit Steinkugeln und deren Resten, aus der oberhalb gelegenen Steilwand lugen Teile weiterer Riesenmurmeln hervor – wie frisch eingeschlagene Kanonenkugeln. Und das Beste: Hier ist außer uns kein Mensch. Nur Robben und Seelöwen. Und davon viele, zum Glück habe ich meine Spiegelreflexkamera dabei. Auch am eigentlichen Shag Point sowie am gestern geschlossenen Leuchtturm sehen wir jede Menge der ständigen dösenden Tiere, an Letzterem außerdem vier Pinguine, allerdings keinen wirklich aus der Nähe. Schließlich fahren wir weiter bis nach Dunedin und sogar noch ein kleines Stück südlicher auf einen richtig tollen Stellplatz am Meer, umgeben von Klippen und Sandstränden.

 

7. Januar: Heute gucken wir uns richtig viel an: Den Tunnel Beach mit seinen irre geformten Klippen, zu dem man wirklich nur durch einen Tunnel gelangt. Dann in Dunedin zunächst die Baldwin Street, berühmt als steilste Straße der Welt und ein amüsantes Fotomotiv. Dann den Bahnhof, schönstes Gebäude der Stadt. Und dann „The Warehouse“, wo Valentin neue Wanderschuhe bekommt (der Kerl wächst gerade wie verrückt). Und dann… dann kommt das Schönste, wir fahren auf die Otago-Halbinsel zur Sand-Fly-Bay. Hier soll man gut Pinguine beobachten können – wir sehen einen einzigen und einen toten Albatross. Aber das macht gar nichts. Der Strand ist ganz für sich genommen einfach wunderschön. Riesige Sanddünen ziehen sich weit den Hang hinauf, am hinteren Ende hat jemand aus Treibholz ein Beobachtungs-Tipi gebaut, in dem wir picknicken. Der Himmel wird dabei immer eindrucksvoller, mal spitzt die Sonne zwischen den abenteuerlichen Wolkenformationen hindurch, dann verbirgt sie sich wieder. Das warme Abendlicht begleitet uns während der gesamten Rückfahrt am Ufer der Halbinsel.

 

8. Januar: Der Zustand mit dem kaputten Kühlschrank wird allmählich unhaltbar. Jochen baut das Ding aus, stellt es auf den Kopf und ersetzt bei der Gelegenheit gleich noch unendlich viele der lockeren, herausgefallenen oder abgebrochenen Schrauben der alten Ulla – nun wird alles festgeklebt. Nachdem wir auch noch Fußball am Strand gespielt haben, fahren wir wieder nach Dunedin. Das Settlers Museum soll toll sein. Gleich in der Eingangshalle steht eine alte Lok. Ein Walfangboot, das Innere eines Einwandererschiffs, Kutschen, Straßenbahnen und viele hübsche Fahrzeuge aus dem 20. Jahrhundert machen vor allem die kleinen Besucher glücklich. Ein Teil der Sammlung ist in einem Jugendstil-Busbahnhof untergebracht, sogar die Toiletten wirken noch original, sehr schön! Der letzte Raum stellt einen Entwurf zur Modernisierung des Hafenbereichs vor. Man soll ihn auf Zetteln kommentieren, was ich begeistert tue. Würden die Pläne mit ihren miesmuschelartigen Gebäuden und ovalen Wasserbecken umgesetzt, würde Dunedin zur schönsten Stadt Neuseelands! Zurück am Stellplatz freunden wir uns mit einer Münchner Familie in einem großen Miet-Camper an.

 

9. Januar: Ein Tag wie geschaffen, um die Seele baumeln zu lassen an unserem schönen Strandstellplatz. Wir frühstücken gemeinsam mit unseren neuen Freunden und genießen den „Lärm“ der Brandung. Die Kinder kochen unzählige magische Gerichte aus allem, was das dichte Buschwerk hergibt. Irgendwann gehen wir mit den Bodyboards zum einen Strand. Später starten wir ein Kanalbuddelprojekt am anderen Strand. Die einzigen, die sich kurz im Auto weg bewegen sind die Mamas: zum Einkaufen. Denn abends gibt’s eine Grillparty.

 

10. Januar: Nach einem weiteren gemeinsames Frühstück heißt es Abschied nehmen, unsere Münchner fahren Richtung Norden weiter. Wir baden nochmal und genießen die Süßwasserduschen (diesmal werden auch die Kinder zwangsbeglückt), dann rollen wir weiter Richtung Süden. Kaka und Nugget Point liegen quasi auf dem Weg, wobei der Nugget Point der eindrucksvollere Aussichtspunkt ist. Schon zu Ehren unseres Nugget-Busses zu Hause müssen wir dort ein paar Fotos von den im Meer verstreuten Felsen machen, die angeblich Goldklumpen ähneln. Direkt nebenan sehen wir zwei Pinguine auf dem Weg zu ihren Nestern über den Strand watscheln. Und dann landen wir in der Einsamkeit der Catlins völlig alleine auf einem langem Sandstrand, den man herrlich mit dem Auto befahren kann. Einziger Wermutstropfen: Es gibt kein Treibholz und zu viel Wind für Lagerfeuer.

 

11. Januar: Im Vorbeifahren war mir am Vortag ein alter grüner Bus mit allerlei Schrottkunst im Vorgarten aufgefallen. Den wollen wir genauer ansehen. Er nennt sich „The Lost Gypsy Museum“ und ist eine kuriose, wundersam anzusehende Sammlung kleiner mechanischer Kunstwerke. Alle Menschen, die sich hier herumtreiben, haben ein Lächeln auf dem Gesicht – das allein macht den Ort wertvoll. In beschwingter Stimmung wandern wir anschließend zu einem wunderbar grün bemoosten Wasserfall, und zwar endlich mal wieder durch richtigen Urwald. So viele verschiedene Farne wie hier habe ich noch nie gesehen! Beim nächsten Ziel, den Cathedral Caves, beeindruckt uns vor allem eine etwas abseits gelegene, fast 100 Meter lange Nebenhöhle, an deren Ende ein Pinguin wohnt. Zurück an unserem einsamen Strand brechen die Männer gleich wieder auf: Kontrollfahrten, das heißt mit Otto kilometerweit über den Sand sausen.

 

12. Januar: Heute fühlt es sich so an als würde alles kaputt gehen wollen. Gut, der Kühlschrank tut schon die ganze Zeit nicht, alle Reparaturversuche waren bisher erfolglos. Und der Dämpfer an Ullas Deichsel verliert auch schon länger Öl. Aber jetzt dämpft er plötzlich überhaupt nicht mehr, der ohnehin etwas fragile Wohnwagen kracht bei jedem Bremsen übel auf die Anhängerkupplung. Wohl deshalb hat das Bodenblech in der dahinter liegenden Außenklappe jetzt ein Loch, diverse Plastikteile sind angeknackst. Außerdem bricht beim Aufräumen der Abwasserschlauch. Und als ich in den Schrank gucke, ist der Hängeeinsatz für die Kinderklamotten runtergefallen – einfach zerrissen. Als ich frustriert wieder in den guten Otto steige, löst sich ein Teil der Türverkleidung… Joa, kann halt nicht immer alles klappen… Wir schauen uns trotzdem die Highlights der Gegend an, also die vom Wind zerfurchte Porpoise Bay, die Curio Bay mit ihrem 170 Millionen Jahre alten versteinerten Wald und den Slope Point (südlichster Punkt der Südinsel). Und, spaßeshalber, die tatsächlich so heißenden, etwa 40 Zentimeter hohen Niagara Falls. In Invercargill durchforschen wir das abendliche Industriegebiet nach Ersatzteilläden, einer gibt sogar Anlass zu Hoffnung. Und dann parken wir am Strand, trinken viel Cuba Libre und freuen uns über den Sternenhimmel.

 

13. Januar: Der Wind hat nachgelassen. Deshalb: Strandtag mit ein paar Besorgungsfahrten. Nun haben die Läden offen, wir finden immerhin einen Ersatz für unseren Abwasserschlauch, eine neue Lösung für den Kleiderschrank und bekommen Tipps für den Kühlschrank. Ein neuer Dämpfer ist nicht zu bekommen, aber Jochen gräbt im Internet einen aus, den wir bestellen – mit Lieferadresse in Te Anau. Dort liegt die Farm, die wir in ein paar Tagen erreichen werden, um dort eine Weile mitzuarbeiten…

 

 

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