Was kostet die Welt?

Zugegeben, der Titel klingt ein wenig übertrieben. Schließlich wollen wir die Welt nicht kaufen, sondern nur für ein Jahr mieten – auch das wird finanziell schon anspruchsvoll genug…

Januar 2018, Kassensturzzeit. Wir sind nun seit gut vier Monaten in unserem Familien-Sabbatical unterwegs – da kann man durchaus einen ersten Überblick über die Reisefinanzen wagen. Für die Neugierigen gleich vorneweg: Unsere Ausgaben sind geringer als Zuhause. Unsere Einnahmen aber leider auch…

Und wieviel ist es jetzt??

Das meiste Geld geben wir natürlich für Essen aus, bei vier Abenteurern kommt eine Menge Hunger zusammen. Wir merken hier übrigens deutlich, dass die Lebensmittelpreise in Deutschland konkurrenzlos niedrig sind, da hält kein anderes Land mit. An zweiter Stelle stehen die Tankkosten. Zwar sind die anderorts zum Teil etwas günstiger, bei circa 4.000 km pro Monat summieren sich aber auch dieses Ausgaben zu einem ordentlichen Batzen Geld. Zumal wir fast überall noch Mautgebühren berappen müssen – oh wie schön ist Deutschland… Und dann kommen noch Ausgaben für diverse Abenteueraktivitäten zusammen. Wir sind dabei zwar recht sparsam und nehmen die unzähligen Angebote der Tourismusindustrie nur äußerst spärlich wahr, aber hier und da eine Kajaktour, Museumsvisite, Stadtrundfahrt usw. gönnen wir uns schon. Wäre ja auch doof, ganz unten in der Wüste das Geld für die Kameltour zu sparen… schließlich war das eines unserer besten Erlebnisse überhaupt!

Alles zusammen kommen wir damit auf einen durchschnittlichen Tagesbedarf von etwa 80 Euro. Zu unserer Überraschung sind die Unterschiede zwischen den Ländern recht gering. Auch das eigentlich viel günstigere Malaysia liegt im gleichen Bereich, da mangels Campingbus ja auch noch die Übernachtungskosten angefallen sind. Nur die ersten Tage in Neuseeland waren deutlich teurer. Bis wir Auto Otto und Wohnwagen Ulla gefunden, erworben und bezugsfertig hatten, mussten wir diverse Tage mit teuren Hotelkosten überbrücken – bei weitem nicht so günstig wie Malaysia. Zum Glück haben sich aber inzwischen auch in Neuseeland unsere Ausgaben auf dem 80-Euro-Niveau eingependelt.

Für die Freunde der Statistik hier noch die Detaildaten:


  • Spanien ⇒ 80€ / Tag
  • Portugal ⇒ 70€ / Tag
  • Marokko ⇒ 70€ / Tag
  • Malaysia ⇒ 85€ / Tag
  • Neuseeland (Startphase) ⇒ 160€ / Tag
  • Neuseeland ⇒ 80€ / Tag

War das alles?

Ähem… leider nein, noch lange nicht. Zu den laufenden Tageskosten kommen die Einmalausgaben für den Transport, also Flüge und Fähren. Wir hatten/haben die Fährpassagen Tarifa-Tanger (300€ Return) sowie Wellington-Picton (450€ Return). Und dann noch jede Menge Flüge. Leider kosten die Kinder hier dasselbe wie Erwachsene, der Faktor vier bei den Flugpreisen drückt also ganz ordentlich aufs Budget. Insgesamt erwarten wir folgende Flüge und Kosten – spontane Änderungen unserer Pläne sind dabei natürlich noch nicht absehbar:


Flugpreis einfach (Preis alle Vier)

  • MUC-KUL-AKL 580€ (2.320€)
  • AKL-MEL-AKL 250€ (1.000€)
  • AKL-SGN 350€ (1.400€)
  • HAN-MUC 400€ (1.600€)

⇒ Summe: 1.580€ (6.320€)


Ach ja, unser Fuhrpark…

Noch ein dicker Posten, den wir zumindest für Neuseeland berücksichtigen müssen: Umherfahren und Unterkunft. Ein Auto braucht man hier sowieso, und die Hotelkosten für fünf Monate mal vier Personen wären in Neuseeland nicht zu stemmen. Einzige Lösung: ein Wohnmobil!

Kaufen oder mieten ist schnell geklärt, bei fünf Monaten im Land wäre mieten viel zu teuer. Ein Campingbus für vier Personen in der Größe unseres geliebten Nugget kostet mindestens 2.500€ pro Monat, kleinere Wohnmobile liegen schnell bei mehr als 5.000€ pro Monat. Viel zu viel für unsere Budgetgrenze… also kaufen! Obwohl gebrauchte Autos erstaunlich billig angeboten werden, sind Second-Hand-Wohnmobile in NZ ziemlich teuer. Alte rostige Kisten für mutige Mechaniker starten ab 12.000€, zu viel für unsere Budgetgrenze … oder für unseren Mut. Und so kam es zu einer – wie sagt man so schön – alternativlosen Entscheidung:

Wir kaufen einen Wohnwagen! Diese sind nämlich zu erschwinglichen Preisen verfügbar. Die Anschaffung war dann zwar in Summe trotzdem noch teuer genug. Auto (2.000€) und Wohnwagen inklusive Erstausstattung (8.500€) haben unser Saldo zunächst stark nach unten gezogen. Aber wir gehen fest davon aus, das Geld nicht zum Fenster hinaus geschmissen zu haben, sondern viel davon beim Verkauf wieder zurück zu bekommen. Für die weitere Kostenplanung hoffen wir also mal auf Verkaufserlöse von etwa 7.500€ und rechnen mit Nettokosten von 3.000€ weiter.

Sonst noch was?

Jetzt kommt noch allerlei nerviger Kleinkram zusammen, der bestellt, besorgt, gebucht oder gezahlt werden will: neue Reisepässe, Impfungen, normale Krankenversicherung, Auslandskrankenversicherung, Autohaftpflicht in NZ usw. In Summe vielleicht nochmal 1.000€ für alle vier.

Bleiben zuletzt noch die laufenden Kosten Zuhause. Altersvorsorgeverträge, Grundsteuer, Haustilgung, Strom/Wasser/Gas, Telefon… Da wir unser Haus ja vermietet haben, sind die meisten Kostenpunkte indirekt schon abgedeckt. Die restlichen lassen wir der Einfachheit halber außen vor, die haben mit dem Sabbatical sowieso wenig zu tun.

Und wie finanzieren wir das?

Ich (Jochen) habe drei Monate auf einem Arbeitszeitkonto angespart, die wir uns im Laufe der Reise ausbezahlen lassen, das ist schon mal ein guter Anfang.

Die Vermietung unseres Hauses ist eine weitere große Unterstützung, dadurch kommen doch einige tausend Euros für unsere Reisekasse zusammen.

Und ein weiterer angenehmer Posten kommt aus der Steuererklärung: Dadurch, dass wir Mitte 2017 losgereist sind und Mitte 2018 zurückkommen, haben wir zwei Steuerjahre, in denen wir (in der Arbeitsphase) voll Steuern zahlen, aber aufs Jahr gerechnet nur die Hälfte verdienen. Das macht im Vergleich zur sonst erwartbaren Steuerrückzahlung einige Euros mehr aus. Würden wir die zwölf Monate exakt von Januar bis Dezember (also in einem Kalenderjahr) auf Reisen gehen, wäre der Vorteil dahin.

Diese Einnahmen sind schon mal ein guter Anfang, aber wenig überraschend tragen sie leider noch lange nicht die kompletten Reisekosten. Der Rest…. ja, der Rest, der muss dann von unserem Ersparten kommen.

Und wie viel kostet das Sabbatical dann insgesamt?

Nach einem tiefen Blick in meine Glaskugel gehe ich mal von zwölf Monaten Gesamtdauer aus. Und in der Hoffnung, dass alles so bleibt wie es ist (oder wenn schon, dann billiger wird), erwarten wir an Kosten für unser Sabbatical-Abenteuer circa:


  • Laufende Kosten: 29.000€ (365 Tage x 80€/Tag)
  • Transport: 7.000€
  • Fuhrpark: 3.000€ (Kauf 10.500€, Verkauf 7.500€)
  • Sonstiges: 1.000€

In Summe also ungefähr 40 Tausend Euro für das ganze Jahr, oder 28 Euro pro Person und Tag. Ob das nun viel oder wenig ist, ob günstig oder teuer, das liegt im Auge des Betrachters. Unbestritten ist es natürlich eine Riesenmenge Geld, und am Ende unseres Abenteuers werden unsere Ersparnisse so ziemlich dahingeschmolzen sein. Aber dafür erhalten wir unvergessliche Erlebnisse und eine grandiose Familienzeit als Gegenleistung.

Wenn ich auf die vergangenen viereinhalb Monate zurückblicke und mich an die vielen tollen Bilder und Erlebnisse erinnere, so kann ich zumindest für den bisherigen Teil unseres Sabbatical sagen:

Es war jeden Euro Wert!

2 Gedanken zu “Was kostet die Welt?

  1. Hallo Jochen, endlich weiß ich was das alles kostet. Donnerwetter, da habt ihr aber kräftig gespart, vorher. Ich wünsche Euch noch ein paar Schnäppchen. Gruß deine Schwimu.

    Hallo liebes Ankekind,
    ich vermisse dich und die anderen drei total. Bis jetzt ging es ganz gut und die Sehnsucht hielt sich in Grenzen, aber jetzt seit ihr schon so lange unterwegs und so weit weg…….und es dauert noch sooo lange, bis ihr wieder kommt. Das mußte mal gesagt werden.
    Ansonsten bin ich glücklich über deinen tollen Blog mit Jocheneinsprengseln und die tägliche WA mit meinem Tönchen. Das hält mich aufrecht!
    Ich wünsche euch weiterhin eine gute Zeit, weiterhin so tolle Erlebnisse und ein friedliches, fröhliches Zusammenleben in eurer Ulla. Und wenn das Geld ausgeht kommt ihr einfach nach Hause!
    Alles alles Gute, tausend liebe Grüße und alle guten Wünsche dieser Welt von deiner Mami

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    • Margrets Kommentar kann ich nur zustimmen… Ein Hoch auf die moderne Kommunikation, ein paar Jahrzehnte früher, und wir hätten kaum Kontakt haben können. Doch auch so ist die Sehnsucht nach euch unermesslich.
      Lieber Gruß, Maya

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