Wir erkunden Asturien und Galicien

Angekommen am Campingplatz von Lissabon. Den Pool und die heißen Duschen haben wir bereits genossen, außerdem ein sagenhaftes selbstgekochtes Reisgericht. Nun sitzen wir auf der Terrasse des Bar-Bereichs und wetteifern um die WLAN- Daten: Jochen, Antonia und Valentin gucken Videos auf Jochen Smartphone, ich kämpfe mit Formatierung und Upload des nächsten Berichtsteils…

1. September: Wir starten vom Campingplatz aus erneut zu einem Ausflug, und zwar zu heißen Quellen im Tal der Deva, auf dem Weg nach Fuente Dé. Dort verabschieden wir uns von der Familie Wolf, die nach Oyambre zurückkehrt und tingeln weiter das Tal entlang, durch süße Örtchen, bis zu einem Plätscherbach-Parkplatz kurz vor dem Talschluss.

2. September: Das Tal endet an einer enormen Felswand, darüber schwingt sich eine Gondel. So eine schnappen wir uns und lassen uns auf knapp 1.800 Meter Höhe bringen. Dort beginnt eine sonnige, lange, schutt- und gerölllastige Wanderung auf die Peña Vieja (2.617m) voller toller Aussichten. Auf dem Gipfel sind wir mächtig stolz, v.a. auf die Kinder, den der letzte Teil war eine ordentliche Kraxelei und gar nicht ohne. Erschöpft kommen wir nach acht Stunden wieder am Parkplatz an und übernachten direkt dort. Wobei… ich schlafe kaum in dieser Nacht, denn ich muss unbedingt „Das Labyrinth der Lichter“ von Carlos Ruiz Zafón fertig lesen – absolute Leseempfehlung!

3. September: Aus dem Tal führt nur eine Straße wieder heraus. Also kommen wir erneut an den heißen Quellen vorbei… und blubbern lange drin herum. Dann fahren wir an einen Strand, den ich auch heute, nach der Erfahrung vieler weiterer Strände, als sagenhaft bezeichnen würde: die Playa de Cuevas del Mar. Irre ausgewaschene Felsformationen, links wie rechts tiefe Höhlen, tropfende Tropfsteine, tosende Wellen, dazwischen glasklares Wasser und hinten eine extrem entspannte Strandbar (mit leckeren und ordentlich teuren Langusten, wie wir später feststellen, als wir vor dem einsetzenden Regen an den letzten freien Tisch flüchten).

4. September: Wir sind immer noch an dem tollen Strand. Am Vortag haben Valentin und ich eine Entdeckung gemacht… Wir wollten eigentlich nur einen netten Pipi-Platz suchen, sind auf einen Feldweg gestoßen und diesen immer weiter entlang gewandert. Vorbei an einem urigen Bauernhof, einem einsamen Kirchlein auf den Klippen und einer Ziegenherde bis zu einer winzigen Nebenbucht. Das alles wollen wir den beiden anderen heute zeigen. Die kleine Bucht zieht uns in ihren Bann. Irgendwann reißen wir uns doch los, um weiterzufahren. Zunächst zu so genannten Bufones oder Blow Holes, Löchern kurz vor den Abbruchkanten der Klippen, durch welche die Wellen Luftströme und manchmal sogar sich selbst drücken. Weiter an der Küste entlang fahrend gelangen wir zur Cueva Tito Bustillo – aber diese Steinzeithöhlen mögen uns einfach nicht. Die nächsten zwei Tage ist die Höhle geschlossen, außerdem müsste man sich anmelden und überhaupt müssen Kinder mindestens sieben Jahre alt sein… Ohne unseren Fünfjährigen gehen wir nirgendwo hin, also kann uns das Ganze mal und wir suchen uns eine andere Höhle, ohne Felsenmalerei, aber nicht minder spektakulär: Durch unsere Höhle kann man mit dem Auto fahren, vorbei an riesigen beleuchteten Tropfsteinen.

5. September: Wir haben direkt am Ausgang der Höhle übernachtet, nach dem Frühstück macht Jochen Videos von Höhlendurchfahrten, ich erkunde das angrenzende winzige Örtchen voller Blumen und auf Stelzen stehender Kornspeicher (Horreos). Unser erster heutiger Strand ist die langgezogene Playa de Vega, an der ich mich mit Valentin in die Wellen stürze. Direkt im Hinterland, zwischen Urwaldbäumen, recken sich verrückt verknotete Felstürme gen Himmel. Es wird mal wieder Zeit für eine Stadt. Deshalb fahren wir nach Oviedo, die Hauptstadt Asturiens, bummeln durch die Straßen und verbringen viel Zeit in der eindrucksvollen Kathedrale, die nicht nur einen gotischen Kreuzgang zu bieten hat (ich liebe Kreuzgänge), sondern vor allem auch das Schweißtuch Jesu sowie ein Stück seines Kreuzes und seiner Dornenkrone.

6. September: Abends zuvor haben wir die Grenze zu Galicien passiert und erneut einen Höhlenstrand gefunden, der jedoch ganz anders aussieht, hier haben sich die Höhlen zwischen Gesteinsschichten bzw. -platten gebildet. Wir erkunden das Ganze im Rahmen eines Kletterspaziergangs – und plötzlich bekommt Valentin Lust auf Buchstaben. Also schreiben alle anderen einfache Worte für ihn in den Sand. Und, was keiner wusste: Er kann sie lesen, kriegt gar nicht genug davon. Der Tag am Strand ist entspannt, wir kochen gemütlich, spazieren auf ein paar bewaldete Aussichtsklippen, übernachten nochmal dort.

7. September: Das Wetter ist – mal wieder – ziemlich grau. Wir beschließen recht schnell weiter zu fahren, bis in die Nähe von Ferrol. Dort wurde uns ein „Wasserfallstrand“ empfohlen. Der „Fall“ entpuppt sich als Rinnsal, das über eine Felskante stürzt. Aber der Strand ist die Wucht. Wir bauen im Sand einen Sprungparcours für Pferde. Wir finden zwei Seesterne. Und vor allem beobachten wir die riesigen Atlantik-Wellen, die außerhalb des Golfs von Biskaya deutlich wilder sind. Die Sonne scheint den ganzen Nachmittag, und als sie untergeht, sitzen wir an unserem Tischchen und essen gemütlich zu Abend.

8. September: Zunächst treffen wir Bekannte vom Oyambre Beach an der Playa de Santa Comba, um ein vergessenes Fernglas zu übergeben und ein wenig zu plauschen. Da es wieder recht kühl geworden ist, lautet der Beschluss: erneut rasche Weiterfahrt. Aber nicht ohne die Hauptstadt Galiciens, A Coruña, anzuschauen. Majestätisch beherrscht der Torre de Hércules die Merseite der Stadt – der älteste funktionierende Leuchtturm der Welt, in seinen Grundzügen von dej Römern erbaut. In Dr Innenstadt sind alle Erker und Balkone verglast – sicher um aus dem bisschen Sonne die meiste Wärme zu gewinnen. Auf dem Hauptplatz kommen wir in den Genuss einer Dudelsack-Kapelle, das Instrument (Gaita genannt) wurde angeblich in Galicien erfunden.

9. September: Heute kommen wir am Ziel aller Pilger an: Santiago de Compostela. Auf dem Platz vor der Kathedrale liegen, sitzen und stehen massenweise Menschen mit Rucksäcken, behängt mit Jakobsmuscheln. Im Inneren der Kirche lassen wir uns mit der Menge schieben, halten vor dem Grab des Heiligen Jakobus inne und zünden vier (elektrische!) Kerzen an. Die Stadt ist schön, sehr schön. Im Auto genießen wir eine Mandel-Pilgertorte. Und ich setze mich durch mit meinem Wunsch, Galicien trotz durchwachsenem Wetter nicht sofort den Rücken zu kehren, sondern noch eine Landzunge der zerklüfteten Küstenlinie kennenzulernen. Da es auch Zeit für Dusche und Waschmaschine ist, fahren wir auf einen Campingplatz bei Ribeira und ergattern einen Platz direkt vorne am Meer. Die Kinder spielen stundenlang am Wasser, während ich am Strand entlang in die knapp 2 km entfernte Stadt laufe, um im Waschsalon zwei Maschinen Wäsche zu waschen und zu trocknen.

10. September: Zunächst bummeln wir durch den Fischerhafen von Ribeira und sind beeindruckt von den riesigen Edelstahlbottichen und unzähligen Funkantennen, die Fischerboote heutzutage mit sich rumtragen. Hier in der Gegend, bei Corrubedo, steht die größte Sanddüne Nordspaniens, die wollen wir kennenlernen – wohl wissend, dass man sie nicht betreten darf (Naturschutzgebiet). Wir machen dafür einen langen Strandspaziergang an der Playa do Vilar, kraxeln auf riesige runde Felsblöcke, die mitten im Sand herumliegen (und finden dabei die perfekte Welle, siehe Foto), treffen erneut einen Seestern und stehen schließlich vor der Düne. Die allerdings gar nicht so groß aussieht. Ähnlich geht es uns kurz darauf mit der zweiten Touri-Attraktion der Gegend, einem 6.000 Jahre alten Dolmen. Aber die umliegenden Korkeichen sind klasse. Eigentlich wollen wir an einem Strand übernachten, an dem man angeblich super Jakobsmuscheln finden kann. Aber kaum kommen wir an, wird das Wetter so eklig nasskalt, dass wir kurzerhand weiterfahren nach Ourense im Hinterland. Die „Capital termal“, also Thermalhauptstadt Spaniens bietet jede Menge heiße Quellen. Sobald die Kinder schlafen, aktivieren Jochen und ich die Babyphone-App, schnappen uns zwei Dosen Radler und legen uns in einen Heißwasserpool.

Ein Gedanke zu “Wir erkunden Asturien und Galicien

  1. Mensch, jetzt bist du aber echt fleißig. Haben schon sehnsüchtig darauf gewartet. Da bekommt man gleich richtig Lust auf Urlaub. Die Liste unserer nächsten Urlaubsziele wird immer länger.

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