Anfahrt durch Frankreich, die Pyrenäen und das Baskenland

Wir schreiben den 15. August, Freitag, zu Beginn dieser Woche hat die Schule angefangen – auch bei uns. Montags und mittwochs gibt Mama Deutsch, dienstags und donnerstags ist Papa mit Mathe dran (so waren auch in der Vergangenheit die Mama- und Papa-Tage aufgeteilt), freitags machen wir Kunst, Sachkunde ist immer… Das Ganze lässt sich erstaunlich gut an. Antonia hört (noch) wunderbar auf die Anweisungen und Erklärungen ihrer Eltern, und Valentin ist mit großem Eifer dabei, sitzt immer mit am Tisch und will unbedingt auch rechnen oder schreiben (falls seine Begeisterung anhalten sollte – was wohl nicht wirklich realistisch ist – würden die Vorschulhefte vom Drachen Kokosnuss nicht allzu weit reichen…).

Schulzeit bedeutet auch, dass für die Eltern ebenso der Urlaubsmodus (ein Stück weit) vorbei ist, wer gerade nicht unterrichtet, kümmert sich nun um anderen „Kram“, vom Aufräumen, Planen und Recherchieren über Bildbearbeitung bis hin zu – na klar – Blog-Einträgen. Die Faulheit an dieser Stelle muss endlich ein Ende haben, und sei es nur, damit unsere Erinnerungen à la Tagebuch an einer Stelle festgeschrieben sind. Deshalb folgt nun eine Fleißaufgabe – einen Kurzübersicht über alle bisherigen Phasen unserer Reise (1. die Anfahrt durch Frankreich, die Pyrenäen und das Baskenland, 2. die Entspannungstage auf dem cantabrischen Campingplatz, 3. die Erkundung Asturiens und Galiciens und 4. der Start der Portugal- und Schulphase).

15. August: Wir starten nach der Hausübergabe gegen 15 Uhr in Gebersheim, machen einen Badestopp an einem abartig blauen See in der Nähe des Kaiserstuhls, passieren bei Mulhouse die französische Grenze – und dann schlafen alle (außer dem Fahrer).

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Frühstück an der Loue.

16. August: Als wir am nächsten Morgen aufwachen, finden wir uns – südlich von Besançon – unglaublich idyllisch am Ufer des Flusses Loue wieder, direkt neben einer alten steinernen Rundbogenbrücke. Aus dem kleinen Frühstück am Ufer wird ein langer Bade- und Erkundungsvormittag, an dem Opas Klappspaten Premiere feiert. Anschließend düsen wir an Lyon vorbei bis Le Puy und erklimmen dort ein unglaublich steiles Berglein mit Kapelle drauf.

17. August: Die Entdeckung des heutigen Tages ist der Tarn – was für ein genialer Fluss. Bei Sainte Enimie frühstücken wir und stürzen und direkt danach in die klaren und sogar recht warmen Fluten, weichen immer wieder den vielen Kanufahrern aus, bauen unsere erste Sandburg… Die ganze Schlucht des Tarn ist ein Traum, nach einem hohen Aussichtsfelsen baden wir erneut, diesmal in einem tiefen, türkisen Felsenbecken. Nächstes Highlight: die riesige Autobahnbrücke bei Millet. Und danach machen wir kurzentschlossen einen Abstecher nach Valras-Plage – ans Mittelmeer. Die Kinder sind völlig aus dem Häuschen, Valentin uverliebt sich spontan ins Meer. Dann suchen wir einen Übernachtungsplatz, und mir klingen die Worte meiner Mutter im Ohr, wir dürften in Frankreich keinesfalls wild campen… Also nötige ich Jochen, dem nächstbesten Camping-Wegweiser ins Landesinnere zu folgen. Wir landen auf einem winzigen, schlichten und günstigen Platz mit Überraschung: Live-Musik, Gitarre, Gesang und Mundharmonika, Antonia bleibt bis zum Ende nach 23 Uhr.

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Zeitreise nach Carcassonne.

18. August: Heute erkunden wir die mittelalterliche Festungsstadt Carcassonne. Es ist heiß in den engen Gassen, die Kirche und die runden Türme gefallen uns besonders gut. Und der Hang-Spieler am Eingangstor. Die meditativen Klänge seines ufoartigen Instruments verzaubern uns, eine CD davon fährt jetzt im Nugget mit. Valentin beschließt, dass er hier und jetzt eine eigene Kamera braucht, „so eine wie Toni“, um von solchen Attraktionen künftig selbst Videos machen zu können. Also starten wir auch der deutlich weniger romantischen Shopping-Mall von Carcassonne einen Besuch ab und finden tatsächlich die gewünschte Kamera, in Weiß statt Blau, Valentin investiert – adieu Weltreise-Geld (na gut, wir schießen bisschen was zu…). Dann wenden wir uns Richtung Pyrenäen, die angepeilte Höhle mit steinzeitlichen Zeichnungen in Niaux weist uns ab, weil für den Tag bereits die maximale Besucherzahl erreicht wurde, Andorra empfängt uns mit Nebel, mit vielen Ski-Hotels – und einem langen Stau an der Grenze zu Spanien, 19:30 Uhr scheint Rush Hour zu sein. Wir parken kurzerhand auf dem Seitenstreifen, kochen uns ein leckeres Abendessen und sehen dabei zu, wie die Autoschlange kürzer wird. Als wir schließlich kurz nach 21 Uhr starten, flutscht es. Zum Übernachtungsplatz küren wir einen Parkplatz auf dem nächstgelegenen Bergpass… Was für ein Sternenhimmel…

19. August: Heute haben wir die erste Meinungsverschiedenheit: Anke will wandern, der Rest Kayak fahren. Ein Hoch auf die Demokratie! Wir eiern auf Nebenstraßen zum Stausee Pantà de Canelles, machen für den nächsten Tag eine Tour klar und verbummeln den Nachmittag am See. Wie oft kann man eigentlich von einem Mini-Ponton aus ins Wasser springen?? Irgendwann höre ich auf zu zählen.

20. August: Unser Stausee hat eine spektakuläre Engstelle. Zu dieser und in schwindelerregender Höhe an ihr entlang wandern wir, etwa drei Stunden lang. Dann entdecken wir im Baum ein Schild unseres Kayakanbieters, steigen ab und schnappen uns ein Einer- und ein Zweier-Kayak. Letzteres wird schnell zum Beiboot, weil die Kinder es hervorragend finden sich ziehen zu lassen. Die Durchquerung der Schlucht ist sehr windig und sehr eindrucksvoll, was auch für den völlig verrückten Steg/Bretterweg/Klettersteig gilt, der rechterhand an die Felswand geschraubt wurde (wir testen ihn natürlich). Als wir abends zurückgepaddelt kommen noch ein Highlight: Wir dürfen erst mit dem Motorboot und dann mit dem Jeep des Kanuverleihers mitfahren.

21. August: Heute klappern wir – nach einem Großeinkauf beim Lidl – diverse Fluss-Badestellen ab, die unser Wohnmobil-Reiseführer empfiehlt. In Huesca bekommt Valentin endlich Crocs, weil es ohne diese Plastikschuhe beim Baden angeblich nicht geht… Und dann tingeln wir zum Castillo de Loarre, einer äußerst wehrhaften Festung, die zur Abwehr der Mauren errichtet wurde und einen sagenhaften Blick ins Pyrenäen-Vorland bietet. In der Nacht machen wir erstmals Bekanntschaft mit den Gesetzeshütern. Wir parken – wie andere auch – wunderschön direkt auf dem steinernen Uferstrand des Rio Gallego. Gegen ein Uhr werden wir geweckt und freundlich gebeten auf den wenige Meter entfernten Parkplatz zu fahren. Na gut, wenn das die einzige Ansage ist…

22. August: Jochens Geburtstag. Tag der Geier und der verstauchten Hand. Wir wandern zu knallroten Felsen namens Mallos de Riglos, an denen diverse Kletterer in der Sonne braten, über denen wiederum die dort lebenden Geier kreisen. Am hohen, heißen Aussichtspunkt über der Schlucht Foz de Arbayun ist es ähnlich (nur ohne Kletterer). Die besten Geier-Beobachtungen machen wir in der Foz de Lumbier, an der wir durch alte Eisenbahntunnel entlang wandern. An der einzigen Badestelle kann man herrlich in die Schlucht hinein schwimmen… Und auf den Felsen ausrutschen – Jochens Handgelenk ist innerhalb kürzester Zeit übel geschwollen. Kein gutes Geburtstagsgeschenk. Abends in Pamplona finden wir noch eine Apotheke, die uns Voltaren forte und einen Verband verkauft. Dann gehen wir Tapas essen in einer Bar aus dem Guide Michelin und bummeln durch das nächtliche Treiben, durch enge, belebte Gassen, vorbei an der Kathedrale, durch die beleuchteten Festungsmauern… Und sind hingerissen. Den Kindern hat seitdem keine Stadt mehr so gut gefallen wie „Pampelona“.

23. August: Ein Städte-Tag: Zunächst durchwandern wir San Sebastián, immer zielgerichtet auf den riesigen Stadtstrand zuhaltend, den wir schließlich komplett entlangspazieren, barfuß, der erste Kontakt mit dem Atlantik. Nach viel zu teuren belegten Brötchen in einer Strandbar fahren wir weiter nach Bilbao. Und die Kinder und ich gehen tatsächlich ins Guggenheim-Museum: Baselitz‘ Helden, Fin de Siècle, ein Blick auf die Masterpieces und riesengroße rostige Stahlwände, gebogen und verschlungen, die man wie Irrgärten durchlaufen kann – wir haben Spaß. Letztes Ziel für diesen Tag ist ein Campingplatz an der Playa de Oyambre. Als wir um die Ecke biegen, sehen wir direkt den schwarzen Bus mit der Aufschrift G2W – unsere Freunde sind schon da, hier bleiben wir ein Weilchen…

 

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