Vietnam in großer Runde

Wir sind am Ziel unserer Reise angekommen, wenn das keinen Artikel wert ist!!!! Vorgestern Abend standen wir in Da Nang im Zentrum Vietnams an der Drachenbrücke und haben zugesehen, wie sie Feuer und Wasser spuckt. Diese Brücke hatte Valentin vor gut einem Jahr, als es ums finale Festlegen der Reiseroute ging, auf einem Kinderposter aus der Apotheke entdeckt. Die coolsten Brücken der Welt waren dort zusammengestellt. „Wenn ich schon eine Weltreise mache, dann muss ich auf jeden Fall da hinfahren“, hat der kleine Mann verkündet. Deshalb sind wir hier, in Vietnam. Schon seit zwei Wochen.

18. Mai: Nach einer langen Reise mit sechs Stunden Zwischenstopp in Sydney kommen wir im nächtlichen Saigon an. Erstaunlicherweise ist die Visum-Prozedur weniger zeit- und nervenaufreibend als befürchtet, ja sogar richtig nett und professionell. Wir geben die vier zweiseitigen Formulare ab, die ich liebevoll im Flieger ausgefüllt habe, dazu jeweils ein Passbild und warten ein Weilchen (wobei die Kinder das aufziehbare Kiwi-Vögelchen, das wir vom letzten Geld in Auckland gekauft haben, durch die ganze Halle flitzen lassen). Als wir schließlich ausgerufen werden, zieren schicke Aufkleber und Stempel unsere Pässe – auf jeden Fall ihre knapp 200 Euro wert!! Vor dem Flughafen sind wir überwältigt von der Anzahl an Taxis und entscheiden uns schließlich für ein grünes Modell, das uns zu unserem Appartement in der Innenstadt bringt. Unterwegs öffnet sich der Himmel für einen eindrucksvollen, sintflutartigen Tropenregen, der die vielen Mofafahrer stoppen und dünne Plastikhüllen überziehen lässt.

19. Mai: Die Dachterrasse des Hochhauses, in dem wir wohnen, bietet einen sagenhaften Blick über die gesamte Innenstadt. Wir können uns gar nicht satt sehen an dem Gewusel, den schmalen, langgezogenen Häusern, den Dachgärten, Baustellen, Markthallendächern und Wolkenkratzern. Wie gut, dass es einen Panorama-Pool gibt, da können wir beim Planschen weiter gucken! Irgendwann packt uns dann doch eine größere Neugier und wir erkunden die Umgebung. Der Ben Thanh Market mit Obst und Klamotten ist relativ touristisch, während uns der American Market durch seine Authentizität beeindruckt: ein Schraubenstand am anderen, ein riesiger, unsortierter, bunter Baumarkt. Wir schlendern am Saigon-Fluss entlang, testen trotz der Hitze die vielen Outdoor-Fitnessgeräte, die überall herumstehen und landen schließlich auf winzigen Plastikstühlchen in unserer ersten Garküche, die ein herrliches Hühnchengericht serviert (weil wir uns noch nicht an die ebenfalls angebotenen Schnecken trauen). Den Sonnenuntergang genießen wir auf der Dachterrasse. Nachts stellen wir den Wecker, denn es soll ein Feuerwerk zu Ho Chi Minhs 128. Geburtstag geben, an den überall mit feierlich-kommunistischen Plakaten erinnert wird. Doch es regnet dermaßen, dass wir uns umdrehen und weiter unseren Jetlag ausschlafen.

20. Mai: Heute kommen unsere Freunde aus Deutschland an, mit denen wir die nächsten zwei Wochen verbringen werden. Die Kinder sind kaum zu bändigen vor lauter Vorfreude, aber wir müssen noch irgendwie den Tag rumbringen, der Flieger landet erst abends um sieben. Nach einem langen Bad im Pool ziehen wir los, können die zu Ho Chi Minhs Ehren angekündigten Straßenkünstler aber nirgendwo finden. Im historischen Museum ist es halbwegs kühl, die in Schaukästen nachgestellten Schlachten faszinieren die Kinder. Doch die Hauptattraktion, das Wasserpuppentheater, bleibt uns verwehrt, da sich nicht genügend Zuschauer finden. Ich versuche eine deutsche Reisegruppe zu überreden, aber die Armen dürfen nicht… Und so gehen wir als letzte Station in den gegenüberliegenden kleinen Zoo. Wir sind noch nicht beim Tiger angekommen, als mal wieder ein deftiges Gewitter aufzieht. Valentin verfällt dermaßen in Panik, dass wir den Zoobesuch abbrechen und mit dem Taxi zurück ins Appartement fahren müssen. Irgendwie soll es heute kein anderes Highlight als unsere Freunde geben. Die wiederum haben ein Problem mit ihren Visumsanträgen, so dass wir eindreiviertel extrem hibbelige Stunden am Flughafenausgang verbringen. Doch dann sind sie da und alles ist gut.

21. Mai: Erstes gemeinsames Frühstück mit Greta, Erik, Wilrid und Rolf! Für die Erwachsenen gibt es Pho, die legendäre vietnamesische Nudel-Rindfleisch-Suppe, die glücklich macht und angeblich jedes Wehwehchen heilt. Die Kinder bekommen Cereals, die wir in einem kleinen Ecksupermarkt ausgegraben haben. Im Verhältnis sündhaft teuer, man könnte 10 Phos für das Geld kaufen – aber irgendwie müssen wir die Kleinen ja satt kriegen. Mit all der Frühstücksenergie im Bauch gehen wir erst mal gemeinsam den Pool und das Panorama genießen. Dann ziehen wir los in die große Stadt, durch den Werkzeugmarkt mit all seinen Schraubenständen, an Pagoden, Garküchen und fliegenden Händlern vorbei bis an den Fluss. Dort beschließen wir uns für zwei Stündchen rumschippern zu lassen, was bedingt aufregend und deshalb für Jetlag geplagte Reisende genau das Richtige ist – wir dösen alle ganz wunderbar. Danach sind wir fit genug, um uns für die nächsten beiden Tage Fahrer und Fremdenführer zu organisieren, denn wir wollen ein paar Ausflüge machen. Die Väter zieht es dann mit den Kindern zurück an den Pool, während Wilrid und ich weiterhin die Stadt erkunden. Wir klappern die Spuren ab, welche die Franzosen in der Kolonialzeit hinterlassen haben – eine Kathedrale, eine Oper und ein großes Postamt – und unterhalten uns dabei prächtig.

22. Mai: Heute fahren wir nach Cu Chi, westlich von Saigon, um uns einige der Vietcong-Tunnel aus dem Vietnamkrieg anzusehen. Die Kämpfer haben damals unter dem Dschungel in drei Ebenen ein mehr als 200 Kilometer langes Erdstollen-System angelegt, mit Lazaretten, Küchen, Besprechungs- und Schlafräumen. Für die Besucher wurden die Gänge extra verbreitert, dennoch kriege ich Angstzustände, als ich mit dem Rucksack auf dem Rücken praktisch stecken bleibe. Mitten im Regenwald bekommen wir in einer Hütte einen absolut originalen Propagandafilm gezeigt, in Schwarz-Weiß und schlechter Sechzigerjahre-Qualität, etwas fragwürdig, aber eindrucksvoll. Steigern lässt sich das Ganze nur noch durch eine ordentliche Portion Licht- und Sound-Effekte: Um uns herum tobt mit einem Mal ein heftiges Tropengewitter, mehrfach fällt der Strom aus. Kein Zweifel, es muss besonders grauenvoll gewesen sein, in dieser Gegend zu kämpfen. Auf der Fahrt nach Hause macht uns unser engagierter Guide auf zahlreiche weitere interessante Details aufmerksam, beispielsweise Kautschukplantagen mit Schälchen an den Bäumen oder bunte Vorbereitungen für einen buddhistischen Festtag. Als es abends richtig dunkel ist, sitzen wir wieder auf der Dachterrasse und lassen uns von den Lichtern der Stadt verzaubern.

23. Mai: Auf ins Mekong-Delta! Schwimmende Häuser und Märkte und von Kanälen durchzogene Inseln prägen hier das Bild. Wir schippern mitten zwischen den Booten hindurch zu einer Insel, die wir auf Fahrrädern erkunden. Riesige Jackfruits und viele andere spannende Früchte wachsen hier, teils mit abgedeckten Wurzeln, um sie vor den Auswirkungen der Regenzeit zu schützen. Danach werden wir auf Kähnen durch die Kanäle gestochert, wie schön! Zum Mittagessen gibt es ein enormes Exemplar des hier beliebten Elefantenohr-Fischs. Außerdem dürfen wir zusehen, wir Reispapier, Reis-Popcorn und Kokos-Karamell gemacht werden und eine dicke Schlange halten – ganz schön viel Abenteuer für einen Tag!

24. Mai: Zum Geburtstag wünsche ich mir nach Cholon zu fahren, in die China Town von Saigon. Die Märkte hier sind besonders wenig touristisch, wild und wuselig. Wir wandeln durch ein riesiges Meer an Lebensmitteln. Die anatomischen Besonderheiten von Schweinen und Hühnern lassen sich hier genauso gut studieren wie verschiedenste Pilz- und Fischarten. Als besonders guter Fang erweist sich ein grüner Reiskuchen, der heute Geburtstagskuchen spielen darf. Wir hätten mehr davon kaufen sollen! Grün ist auch die christliche Kirche mit großer Marienstatue, die wir in einer Seitenstraße finden. In einer Pagode zünden wir Räucherstäbchen an. Gegen Mittag laden wir unsere Rucksäcke in einen Kleinbus und fahren Richtung Meer. In Mui Ne bin ich erstmal enttäuscht: Das Hotel am Strand, das ich reserviert habe, ist eine Bruchbude. Als Valentin einen Pfeiler der Balkonbrüstung berührt, kracht dieser einfach ein. Die Klospülung ist kaputt, ebenso das Waschbecken, in der Anlage und am Meer liegt viel Müll. Eine Nacht werden wir es hier aushalten, länger nicht! Doch zunächst heißt es nochmal feiern: In einem edlen Restaurant an einem sehr sauberen Strandstück lassen wir es uns gut gehen, inklusive Cocktail und personalisierter Crème brûlée. Meine Laune ist wiederhergestellt. Auf dem Heimweg frage ich bei einem netten, günstigen Resort, das vom Reiseführer empfohlen wird, meine Mails aber nicht beantwortet hatte, nach verfügbaren Zimmern. Und siehe da, am nächsten Morgen werden beide Familienzimmer frei – wir kommen!

25. Mai: Die Stornierung im Schrott-Hotel erweist sich als nervenaufreibend, weil angeblich plötzlich niemand mehr Englisch spricht und der Herr an der Rezeption dann auch noch eine heftige Migräne-Attacke bekommt. Aber die Hartnäckigkeit von Wilrid und mir ist größer! Im neuen Hotel angekommen, kaufen wir erstmal den Mini-Mart auf der anderen Straßenseite leer und veranstalten auf den Strandliegen ein riesiges Picknick mit Mangos, Wassermelonen, Kokosnüssen, Brötchen, gewürztem Trockenfleisch und vielen anderen Köstlichkeiten. Nachmittags steht uns der Sinn nach Entdeckertum, uns so wandern wir den Fairy Stream entlang. Immer im Bachwasser geht es durch einen roten Sandcanyon, der mit weißen Steinformationen verziert ist. Wir klettern die Seitenwände hinauf, genießen die Aussicht, rutschen wieder runter… so lange, bis es dunkel wird. Dann verlagern wir die Entdeckerei in eins der schlichten Seafood-Lokale direkt am Meer, wo Fische, Krabben und Co. noch lebendig in Aquarien blubbern. Rolf geht ein paar feine Tierchen angeln und wir schlemmen, was das Zeug hält (während die Kinder mal wieder Pommes konsumieren…).

26. Mai: Die heutige Entdeckung des Tages fördert eine weitere angenehme Facette Vietnams zutage: Man kann sich hier prima massieren lassen. In unserem Fall direkt auf dem Nachbargrundstück, in kleinen Bambushütten, bei sanfter Musik und Meeresrauschen – und vormittags sogar zum Sondertarif. Nach einer angemessen langen Badephase fahren wir anschließend Richtung Phan Thiet, sehen uns die Ruinen einiger tausend Jahre alter Cham-Türme an und möchten dann eigentlich noch in die Pagode der Fischer, in der ein 22 Meter langes Walskelett angebetet wird. Doch dort hält man sich nicht an die Öffnungszeiten in unserem Reiseführer! Alternativ schlendern wir durch den (auch geruchsmäßig) sehr authentischen Fischereihafen mit seinen unzähligen gleichartigen Holzbooten und enden auf kleinen blauen Plastikstühlchen am Fluss, mitten unter Einheimischen. Hier sind wir eine Attraktion, unsere niedlichen blonden Jungs müssen sich unzählige Male durchs Haar wuscheln und auf Fotos zerren lassen (wobei die Leute stets freundlich und lustig sind). Irgendwann drängt die Zeit, wir hüpfen in ein Taxi und düsen zur Fishermen-Show, in der die Geschichte der Gegend mit Tanz und tollen Bühnenbildern nacherzählt wird. Die Schluss-Sequenz zeigt eine originalgetreue Replik des angebeteten Walskeletts, geht doch!!

27. Mai: Wir dachten morgens um sieben sei es noch kühl. Das hätten wir im Vorfeld lieber mal testen sollen! Als wir nach einem schnellen Frühstück in einen klapprigen knallgrünen Jeep springen, brennt die Sonne bereits wie verrückt vom Himmel. Wir fahren zu den Weißen Dünen, einer Mini-Sahara neben einem Lotussee. Aus unerfindlichen Gründen darf der Jeep nicht in den Sand fahren, so dass wir auf die höchste Düne laufen und dort beweisen, dass ein Bodyboard viel geschickter ist zum Runtersausen als die angebotenen Plastikmatten. Nachdem Wilrid und Erik eine spektakuläre Bruchlandung hingelegt haben und bei allen der Sand zwischen den Zähnen knirscht, treten wir den Rückzug an. Unterwegs erfreuen wir uns an den vielen runden, bunten Fischerbooten im Hafen von Mui Ne. Zurück im Hotel warten Pool, Fruchtpicknick, Massage und ein erneutes Aquarien-Abendessen auf uns.

28. Mai: Nach einem letzten Strandblick müssen die Kinder das König-und-Diener-Spiel einstellen, das sie gerade beschäftigt, denn wir begeben uns auf die lange Fahrt nach Buon Ma Thout. Über Bergpässe und durch Kaffeeplantagen schraubt sich die holperige Straße, führt uns zu einem Rastplatz voller Hängematten, über einen großen See mit Wohnhäusern mitten im Wasser und schließlich durch Reisfelder im Abendlicht. Da unser Hotel mitten in der Innenstadt liegt, können wir uns zum Abendessen direkt an den vielen Essensständen bedienen, die hier ganz andere Dinge anbieten, als wir bisher kennengelernt haben. Für Antonia sind endlich mal frittierte Spießchen dabei, die sie an ihr Lieblingsessen in Malaysia erinnern. Und dann soll es auch noch Leute geben, die sich von schwarzen Leberbrocken mit Sprossen und Sößchen begeistern lassen…

29. Mai: Wir begeben uns in die Hände von Mr. Chinh, der uns in den nächsten beiden Tagen seine Lieblingsstellen in der Region zeigen wird. Unser erster Ausflug führt uns zunächst in ein Coffee Village, wo wir die drei Kaffeesorten kennenlernen, die hier angebaut werden und in einer Ausstellung altes Kaffee-Zubehör bewundern. Eine ganz spezielle Sache ist der so genannten Weasel oder Civet Coffee, den wir auf einer zweiten kleinen Plantage erklärt bekommen. Es handelt sich um Kaffeebohnen, die von so genannten Schleichkatzen gefressen, halb verdaut und wieder ausgeschieden werden. Nach dem Reinigen und leichten Rösten behalten sie ein spezielles erdiges, weiches, leicht schokoladiges Aroma zurück – ziemlich lecker! Freundlicherweise geht der Regenguss des Tages genau dann nieder, als wir den Kaffee degustieren und die Kinder ohnehin nicht aus dem angrenzenden Indoor-Spielplatz wegzubekommen sind, so lässt sich die Regenzeit aushalten! Eine weitere Besonderheit der Gegend sind Minderheiten-Völker wie die Ede, die noch nach ihren eigenen Regeln leben. Mr. Chinh bringt uns zu traditionellen Langhäusern der Ede, die matriarchalisch organisiert sind, was bedeutet, dass die Männer zu den Frauen ziehen und deren Namen annehmen. Zudem müssen sie wie die Kinder über eine schmale Leiter ins Haus steigen, während es für die Frauen eine breitere, mit Brüsten verzierte VIP-Version gibt. Hat eine Familie viele Töchter, wird das Langhaus immer länger, weil alle mit Kind und Kegel dort wohnen bleiben. Im sehr hübschen ethnologischen Museum vertiefen wir unsere Kenntnisse, bevor wir einen nachmittäglichen Abstecher zum Dray Sap-Wasserfall machen, einem der höchsten Wasserfälle Vietnams.

30. Mai: Elefantentag!!! Früh um fünf Uhr werden wir von Mr. Chinh abgeholt (okay, es wird Viertel nach fünf, bis er endlich da ist, weil er noch Bananen für die Elefanten kaufen muss). Sehr früh jedenfalls starten wir unsere Pirsch durch den Yok Don-Nationalpark mit dem Ziel, Elefanten im Dschungel aufzustöbern. Die Dickhäuter, die hier tagsüber Touristen auf Metallgestellen auf dem Rücken tragen, dürfen nachts in den Urwald, um sich auszuruhen und satt zu fressen. Einziges Zugeständnis an die Zivilisation: Sie schleppen an einem Fuß eine lange Kette mit einem Stück Holz am Ende herum, um nicht allzu schnell und weit gehen zu können. Dementsprechend suchen wir in zwei Gruppen mit zwei Elefantenzähmern nun Schleifspuren, Fußabdrücke und umgeknickte Pflanzen auf dem Dschungelboden. An einer Stelle können wir klar erkennen, dass ein Elefant durch ein Wasserloch gestapft ist. Irgendwann knackt es im Gebüsch, ja, da hinten zeichnet sich ein grauer Rücken zwischen den Büschen ab. Der Elefantenführer stößt höchst erstaunliche, wenig menschlich klingende Laute aus, die den Elefanten tatsächlich veranlassen aus seinem Versteck zu kommen. Überrascht beobachten wir, wie das Tier seine Kette selbst ordentlich zusammenlegt, sich mit ein paar Ästen abkehren und dann bereitwillig fünf Menschen aufsteigen lässt. Der Ritt durch Wald und Gebüsch ist großartig. In der Nähe eines großen Flusses steigen wir ab, füttern und liebkosen die beiden Elefanten Ikam und Tongan, ziehen Badeklamotten an, steigen wieder auf und reiten auf den Tieren ins Wasser. Und zwar so weit, dass die beiden Elefanten tauchen können. Es ist nichts mehr von ihnen zu sehen, von uns Menschlein schauen gerade noch die Köpfe heraus. Was für ein Spaß, wir können gar nicht genug kriegen! Anschließend schlendern wir durch ein sehr ursprüngliches Dorf mit vielen Langhäusern am Eingang des Nationalparks und werden in einem Haus, das Antonia nur kurz von innen anschauen wollte, spontan zum Mittagessen eingeladen. Wir sitzen auf Bastmatten und essen Speisen direkt vom Holzfeuer, tausendmal besser als jedes Restaurant. Auf der Rückfahrt machen wir noch einen Stopp auf einer Kakao-Plantage und lernen, dass die Kerne von einem leckeren maracujaartigen Glibber umgeben sind, der prima schmeckt. Wir sehen wie die Kakaobohnen getrocknet werden und schlecken Kakaopulver mit Kondensmilch, lecker! Und dann gondeln wir mit dem Nachtbus nach Da Nang, eine neue Erfahrung für jeden von uns und nicht mal so ungemütlich.

31. Mai: Eine Stunde früher als gedacht kommen wir in Da Nang an und fahren – noch etwas verschlafen – zur anvisierten Unterkunft für die nächsten Tage, einer einfachen Backpacker-Lodge mit Bambushütten. Der Strand ist weiter weg als gedacht, einen Pool gibt es nicht – deshalb frühstücken wir erstmal nur, dann schnappen Rolf und ich uns ein Mofa und erkunden die Umgebung. Wir finden tatsächlich das perfekte Hotel, bunt, kinderfreundlich, nah am Strand, mit Pool. Hier bleiben wir. Abends radeln Wilrid und ich mit den kostenlosen Hotelrädern nach Hoi An und genießen die Laternenstadt im Schein des Vollmonds.

1. Juni: Heute hat Wilrid Geburtstag. Sie hat sich eine Mofatour zu den Marmorbergen gewünscht. Also knattern nach dem Frühstück vier Mofas mit vier großen und vier kleinen Fahrern Richtung Norden. Der größte der Berge ist voller Höhlen mit versteckten Tempeln, ein Paradies für Entdecker – allerdings ein ziemlich heißes, wir kommen kaum nach mit dem Kaufen von Wasserflaschen. Am Fuße des Berges gibt es reihenweise Souvenirhändler, die alle erdenklichen Figuren aus Marmor anbieten, durchaus auch in doppelter Lebensgröße. Rolf ist verlockt, ein paar Löwen und einen dicken Buddha für den Garten zu kaufen, seine Verhandlungserfolge sind beeindruckend, doch das Verschiffen der Ware kommt einfach zu teuer. Nachmittags tuckern wir nach Hoi An, müssen leider feststellen, dass die Akrobatikshow, die wir anschauen wollen erst am Folgetag Premiere hat und schlendern stattdessen über den abendlichen Markt, um uns an den Essensständen durchzufuttern. Die Frösche am Stil schmecken erstaunlich lecker. Dann gönnen wir uns ein Bootsfährtchen im Lichtermeer, den Kindern eine Runde Hüpfburg, und den Erwachsenen später noch ein paar Cocktails am Strand.

2. Juni: Das Wetter ist traumhaft sonnig, wir hüpfen ins klare Meerwasser, bauen Sandtürme und -löcher, spielen mit ein paar Krabben, ziehen um zum Pool und fahren nach einem Pommes-Picknick nach Da Nang. Dort besuchen wir das 3D-Museum, das mir eine Kollegin empfohlen hat und haben Spaß mit jeder Menge Bildmotiven, in die wir uns einschleusen. Dann sehen wir uns die riesenhafte Statue von Lady Buddha an, kurven ein paar Kilometer auf der Halbinsel Monkey Mountain herum und begeben uns schließlich zur lang ersehnten Drachenbrücke. Doch was für eine Überraschung: Der Drache darf heute kein Feuer spucken, weil ein mehrtägiger Feuerwerk-Wettbewerb stattfindet. Sehen wir uns also den an – es handelt sich heute um die Beiträge von Italien und Hongkong, jeweils eine halbe Stunde lang. Bedauerlicherweise bekommt Valentin nach der ersten Hälfte eine Lärm- und Lichtkrise, so dass er und ich in einem geschützten Restaurant warten, bis der Spuk vorüber ist.

3. Juni: Über Nacht ist der Regen gekommen. Schließlich ist Regenzeit, wir wurden schon lang genug von der Sonne verwöhnt. Es regnet und gewittert wie verrückt. Bis die Straßen überflutet sind. Für uns ist das spannend, wir leihen uns Fahrräder und versuchen durch das kniehohe Wasser zu strampeln. Die Autos und Mofas finden die Überschwemmung weniger witzig, überall werden Straßensperren errichtet. Und Flüge gestrichen. Gut für uns: Wir dürfen unsere Freunde bis Dienstag behalten. Und beschließen das Beste aus der Situation zu machen, indem wir die Ziele besuchen, die erreichbar sind und die wir in den letzten Tagen gern schon abgehakt hätten: Zunächst sehen wir uns die Akrobatikvorführung „AO Show“ an, dann fahren wir, ausgerüstet mit vielen Regenschirmen, nach Da Nang und kommen diesmal tatsächlich in den Genuss eines Feuer und Wasser speienden Drachens, Valentin ist überglücklich.

4. Juni: Unsere Schlechtwetter-Option für heute: ein Kochkurs. Wir lernen viel über die runden Korbboote und den Fischfang, über Gemüsegärten und natürliches Düngen mit Seegras, basteln Blumen und Palmen aus Karotten, Tomaten und Lauchzwiebeln und wickeln leckere Frühlingsrollen. Die Kinder schneiden wie die Weltmeister Zwiebeln, Knoblauch und Zitronengras, dann braten wir Hähnchenfleisch an und erzeugen dabei spektakuläre Stichflammen mit dem heißen Öl. Wir futtern uns unendlich voll und verbringen den restlichen Tag mit Verdauen.

5. Juni: Heute sagen wir dem Meer, dem Pool und unserem bunten Hotel auf Wiedersehen. Über Saigon und Bangkok fliegen wir nach München. Nach Hause, nach fast sieben Monaten…

2 Gedanken zu “Vietnam in großer Runde

  1. Guten Morgen!

    Nachdem die FAZ neulich diesen Blog vorstellte, habe ich mich bis zum letzten Neuseeland-Eintrag durchgefuttert. Einen ganzen Tag lang. Nebenher noch immer wieder Google Maps zur besseren Nachvollziehbarkeit konsultiert und mich mit auf Reisen nehmen lassen. Vielen Dank für das Teilen dieser sehr schönen Erlebnisse und guten Heimflug!

    Beste Grüße aus Bonn,

    Franziska

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