Tierreiches Australien – mit lehrreichem Start und Ende

Wir sind zurück „zu Hause“, bei Ulla und Otto, in Neuseeland, auf unserem Lieblingsstellplatz in der 5 Mile Bay am Lake Taupo. Da waren wir vor gut zwei Wochen schon mal, direkt vor unserem Australien-Abenteuer. Aber der Reihe nach…

12. Februar: Als die Fähre bereits in die Bucht von Wellington einfährt, lernen wir auf dem windigen Aussichtsdeck Eddie kennen, einen Jungen aus Köln, der so alt ist wie Valentin und mit seiner Familie ebenfalls ein Jahr lang um die Welt reist. Wir verstehen uns sofort alle super, denn gemeinsames Exotentum verbindet und verabreden uns für den nächsten Vormittag im berühmten Te Papa Museum in Wellington.

13. Februar: Wellington liegt wunderschön in einem Meerbusen, was wir bereits beim Umrunden des Te Papa Museums genießen. Im Museum selbst lockt uns zunächst eine Sonderausstellung: berühmte Bauwerke der Welt aus Lego. Aber der horrende Eintrittspreis hält uns zurück; das restliche Museum ist kostenlos. Wir treffen Eddie und seine Familie im Foyer – und sofort sind die vier Kinder ins Spielen vertieft. Ob sie außer den Maori-Hütten, den Orca- und Haimodellen in Lebensgröße und dem Erdbebensimulator irgendetwas mitgekriegt haben, darf bezweifelt werden. Aber sie hatten jede Menge Spaß. Auf der Uferpromenade geht es genauso weiter, so dass wir uns vom dortigen Spielplatz nur wegbewegen, um Eis und anderes Essen zu besorgen und um die in 20 Meter Entfernung springenden Delfine zu bewundern, die Eddie in der Bucht entdeckt hat. Während unsere neuen Freunde nachmittags schon weiterfahren, bummeln wir durch die Fußgängerzone namens Cuba Street und vergnügen uns anschließend im Hallenbad, das wir gleich bei unserem Stellplatz am Yachthafen entdeckt haben.

 

14. Februar: Valentins Namenstag beginnt nervtötend: Die Kinder müssen auf einen Aussichtspunkt, von dem aus man Wellington und die gesamte Bucht herrlich überblicken kann. „Immer eure Lookouts, die sind langweilig“, tönt es unisono. Der botanische Garten mit diversen Attraktionen ist schon spannender, ein Spaziergang durchs Parlamentsviertel und die nobelste Einkaufsstraße der Stadt lässt sich aufgrund des leckeren Essensangebots aushalten, richtig toll wird dann die Rückkehr zum Auto: Wir fahren mit der roten Wellington Cable Car hoch auf den Hügel, durch Tunnel, die sehr cool mit diskoartigen LED-Streifen beleuchtet sind. Dann verlassen auch wir die Stadt, was sich langwierig gestaltet – so viel Verkehr sind wir von der Südinsel nicht gewöhnt, dort hatten wir keinen einzigen Stau. Als wir irgendwann keine Lust mehr haben, legen wir eine interessante Pause ein: an einer holländischen Windmühle im Abendlicht!

 

15. Februar: Durch grüne Hügel geht es weiter Richtung Taupo. Ein erster Zwischenstopp verläuft etwas enttäuschend, weil das im Reiseführer angepriesene Flugzeug mit Café am Wegesrand geschlossen ist (wie es aussieht wohl dauerhaft). Mehr Glück haben wir an der Forellenfarm von Taurangi, wo wir einen netten Spaziergang machen und Forellen füttern. Sobald wir die ersten Ausläufer des Lake Taupo erreichen, halten wir für ein Picknick an einem Steg. Dieser See ist einfach schön. Als wir schließlich in den Campingplatz an der 5 Mile Bay einbiegen, auf dem wir zu Beginn unserer Neuseelandzeit bereits eine Weile stranden (z.B. um das Solarpanel zu montieren), fühlt es sich ein wenig wie Heimkommen an.

 

16. Februar: Nachdem wir nochmal im See gebadet haben, fahren wir gegen Mittag zu unseren Freunden in Taupo, den ausgewanderten Deutschen. Die Kinder haben sich riesig aufeinander gefreut und verschwinden sogleich im Kinderzimmer. Jochen verschwindet auch – unter der Ulla. 😨 In einer groß angelegten Reparaturaktion bessert er die Schwachstellen der alten Dame aus (hoffentlich halbwegs endgültig, zumindest für die nächsten drei Monate). Ich helfe, wo ich kann, wasche zwei Maschinen Wäsche, gehe Bier und Kuchenzutaten kaufen. Abendessen (Fish’n’Chips) gibt es an einem wunderschönen Picknicktisch am See. Und dann backe ich noch einen dicken Schokokuchen mit Glasur aus weißer Schokolade – wie bestellt.

 

17. Februar: Valentins Geburtstag beginnt mit Zufriedenheit. Sein Kuchen gefällt ihm sehr, puh! 😉 Als die anderen Kinder angerannt kommen, hält ihn nichts mehr – ab auf die Terrasse zum Frühstücken und Geschenke Auspacken. Letztere stoßen auf große Begeisterung und beschäftigen das Geburtstagskind den Rest des Tages: Zwei Packungen Lego, drei geländetaugliche Matchbox-Autos, neue Buntstifte, ein Flugzeug und ein Dino zum Selberbasteln. Mittags gibt es Pfannkuchen, abends Spätzle, und an den See zum Baden gehen wir auch noch. Und die ganze Zeit sind Kinder zum Spielen da. Urteil am Abend: „Das war ein perfekter Geburtstag, danke.“ – Geht doch, mein kleines großes Grumelmonster!

 

18. Februar: Nach dem Frühstück sagen wir Ulla und unseren Freunden Goodbye und brechen mit Handgepäck auf nach Auckland – das Australien-Abenteuer wartet. Unterwegs legen wir einen Wander- und Picknickstopp an den Blue Springs bei Putaruru ein. In Auckland angekommen gehen wir erstmal Schuhe kaufen. Meine sind weg. Und da jeder von uns nur mit einem Paar fester Schuhe reist (und einem Paar Crocs / Flipflops), ist Verlust gleichbedeutend mit akutem Handlungsbedarf. Wo meine schönen, extra für die Reise gekauften Salomon-Trekkingschuhe geblieben sind, kann ich mir erst nach langem Nachdenken zusammenreimen: wohl am Campground in Picton, da standen sie regengeschützt unter dem Wohnwagen… Zum Glück finde ich für 100 NZ Dollar (ca. 60 Euro) recht würdigen Ersatz – mit pinken Schnürsenkeln! Nach einem leckeren indischen Abendessen (Antonia ist verrückt nach Chicken Korma) gehen wir früh ins Bett, denn wir müssen quasi mitten in der Nacht wieder aufstehen.

 

19. Februar: Um 4:15 Uhr klingelt der Wecker. Ein Blick auf Jochens Handy offenbart, dass unser Abflug kurzfristig um eine Stunde nach hinten verschoben wurde – aber jetzt sind wir ohnehin schon alle wach und fahren deshalb ohne Zögern durch die Nacht zum Flughafen. Otto darf auf einem bewachten Parkplatz bleiben, ein Shuttlebus bringt uns zum Abflugterminal. Als wir endlich mit Einchecken an der Reihe sind, dürfen wir nicht… Wir waren irgendwie der Überzeugung, dass es in Australien wie in Neuseeland „Visa on arrival“ gibt – tut es aber nicht. Zum Einchecken sei ein gültiges Visum vorzuweisen, die Dame am Serviceschalter könne sicherlich helfen, so die schlichte Auskunft. Also ab in die nächste Warteschlange. Wie gut, dass wir so früh dran waren! Während des Wartens schafft es ein schwitzender Jochen mit hochkonzentriertem Gesichtsausdruck, uns online bei der Visumsbehörde zu registrieren. Grade nochmal die Kurve gekriegt!! Als wir schließlich an der Reihe sind, muss die freundliche, quadratische Schalterdame noch ein paarmal auf „Aktualisieren“ drücken, aber dann haben wir unser Visum und die Boardkarten gleich dazu. Der Flug vergeht nicht gerade wie im Fluge, da es nicht einmal Essen gibt, das die Wartezeit gefühlt verkürzen könnte. Aber die Kinder malen friedlich Bilder, schlafen ne Runde und irgendwann hört dann der Ozean unter uns auf, wir schweben auf Melbourne zu. Nächste Station: der Autoverleih, übelst weit entfernt vom Flughafen, aber mit Uber gut und halbwegs billig zu erreichen. Unser Camper ist weniger schlimm als befürchtet. (Randnotiz: Ich wollte ja mal in echten Unterkünften wohnen, aber mein Finanzminister hat mir vorgerechnet, wie ungleich günstiger der von ihm ausgegrabene Schnäppchen-Camper ist – in solchen Momenten fehlen mir glatt die Argumente.) Nächste Station: Aldi, eine kleine Heimat-Erfahrung, die es in Neuseeland nicht gibt. Super Müsli. Leberwurst. Grabbeltische mit Badzubehör und Unterwäsche im Mittelgang. Leider kein vernünftiges Brot. Danach fahren wir auf den nächstgelegenen Campingplatz, der doch tatsächlich einen Pool und einen Spielplatz mit riesigem Sprungkissen zu bieten hat. Außerdem stellt Valentin begeistert fest, dass die Australier viel coolere Wohnwägen haben als die Kiwis, richtige Offroad-Modelle mit viel Bodenfreiheit und Geländereifen. Das Jeep-begeisterte Kind hat den restlichen Tag lang genug zu gucken.

 

20. Februar: Zum Einstieg ein Tag Melbourne. Nachdem wir lange die bunten Mini-Papageien (korrekt: Loris) beobachtet haben, die am Eingang des Campingplatzes kreischend nach Futter suchen, kaufen wir uns Tickets für die Öffentlichen und gurken mit dem Bus in die Innenstadt. Direkt am Bahnhof schleppe ich die Family erstmal in ein Einkaufszentrum – nicht zum Shoppen, sondern weil es so cool aussieht: Ein älteres Backsteingebäude wurde samt Turm einfach unter eine Glaskuppel gepackt. Dann fahren wir zwei Stationen mit der Straßenbahn zum Queen Victoria Market. Die Kinder, die eben noch gemotzt hatten sie fänden Markt doof und dieser hier sei außerdem viel zu groß, sind begeistert: In den überdachten Marktreihen (Hallen sind es nicht wirklich, denn es gibt keine Seitenwände) wartet jede Menge bunter Krimskrams, von Kuschelkoalas über Känguru-Warnschilder und LED-beleuchtete Glibberkugeln bis zu Büchern, Karten und natürlich Lebensmitteln. Was für ein Spaß hier durchzuschlendern. Dann ein Spielplatz-Break, und anschließend erkunden wir die versteckten früheren Hinterhofgassen von Melbourne, die so genannten Laneways, von denen viele heute zu gemütlichen, teils auch schrägen, manchmal äußerst schicken „Fressgassen“ umfunktioniert sind. Zu eng für Straßenverkehr, sind sie perfekt geeignet für Bistrotische, Oasen in der Großstadt. Auf dem Weg zur altehrwürdigen Flinders Street Station und dem benachbarten hochmodernen Federation Square treffen wir auf eine Bereicherung, die uns in Neuseeland gefehlt hat: Straßenmusikanten. Nach einem Abstecher in die St. Paul’s Cathedral steigen wir in die historische City Circle Tram und fahren auf alten Holzbänken einmal um die Innenstadt. Anschließend überqueren wir auf einem Fußgängersteg den Yarra River, schlendern an der South Gate entlang in den nahegelegenen Stadtpark und genießen dort vom Shrine of Remembrance aus einen super Blick auf die Skyline. Dann wird’s Zeit zum Auto zurückzukehren und ins Yarra Valley zu fahren.

 

21. Februar: Wir haben ganz in der Nähe unseres heutigen Ziels übernachtet, in wenigen Minuten sind wir im Healsville Sanctuary, einem großen Wildpark, in dem ausschließlich in Australien heimische Tiere gehalten und gepflegt werden, einige davon vom Aussterben bedroht: Emus, Koalas, Wallabies, Kängurus, Wombats, Tasmanische Teufel, Possums in allen erdenklichen Größen, Vögelchen wie der gelbe Helmeted Honeyeater (der es Valentin angetan hat), Greifvögel, Papageien, Schnabeltiere, Ameisenigel, Dingos, Geckos und und und… Die Tierwelt ist reichhaltig, bunt, spannend und der Tierpark wirklich toll angelegt. Es gibt sogar ein Tierkrankenhaus mit gläsernen Wänden, in dem wir bei einer Vogel-Operation zusehen dürfen. Aus dem angeschlossenen Spielkrankenhaus mit zu behandelnden Plüschtieren ist v.a. Antonia kaum mehr wegzubekommen. Wir verbringen den ganzen Tag in dem weitläufigen Areal. Abends im Stadtpark von Healesville entdecken wir die im waldbrandgefährdeten Australien weit verbreiteten Elektrogrills für uns, die in fast jedem öffentlichen Gelände zur Verfügung stehen. Die praktischen Riesenpfannen werden Standard für unsere Dinner-Zubereitung (und nur so ist zu erklären, dass ich als oberste Verpflegungsbeauftragte bei den extrem limitierten Möglichkeiten unseres Klapper-Campers keinen Wut- oder Aggressionsanfall bekomme).

 

22. Februar: Durch das Yarra Valley mit seinen Weinbergen kurven wir zurück nach Melbourne. Nachdem wir ein paar Stadtviertel mit netten alten Häusern durchquert haben, landen wir in St. Kilda, am Stadtstrand. Irgendwie cool mit Großstadtkulisse zu baden und die alte Pier entlang zu schlendern. Da ein von der Mutter der Kinder liebevoll im Internet ausgesuchter Abenteuerspielplatz leider eingezäunt und abgeschlossen ist, fahren wir weiter nach Geelong (an derselben Bucht weiter im Westen gelegen). Auch hier grillen wir im Stadtpark. Anschließend erkunden wir die Uferpromenade, die so vielversprechend ist, dass wir beschließen den nächsten Vormittag noch hier zu verbringen: Es gibt zum Beispiel einen kostenlosen Meerespool mit riesigem Kinderbadebecken und mehr als 100 lustige, überlebensgroße, bunt bemalte Holzfiguren, die zu entdecken ein großer Spaß ist.

 

23. Februar: Der Tag beginnt wie erwartet bewölkt, so dass wir zunächst die Ufer-Schlenderei angehen. Als es zu regnen anfängt, sind wir gerade auf Höhe eines Glashauses, darin: ein 130 Jahre altes, kunstvoll restauriertes Karussell. Wir beobachten es eine ganze Weile. Und natürlich dürfen die Kinder irgendwann auch fahren. Dann reißt der Himmel auf, die Sonne kommt und wir genießen das Schwimmbad. Gestärkt mit einer direkt an einem Fischkutter gekauften Paella nähern wir uns dem Ziel der nächsten Tage: der Great Ocean Road. Wellen, Strand, Sandburg, Grillen im Stadtpark von Lorne… Und dann, auf dem Weg zum Übernachtungsplatz im Wald, hält Jochen plötzlich an: Die Wiese gegenüber ist voller Kängurus. Zwischen drei, vier Pferden grasen dreißig, vierzig der grauen Tiere. Eins stand ganz in unserer Nähe und ist vor Schreck wohl ins falsche Gebüsch geflüchtet, es scheint dort nicht weiter zu kommen. Wir nähern uns der Stelle, wo es knackst – und plötzlich taucht nur ein paar Meter vor uns ein Kopf mit langen Ohren aus dem Busch auf. Valentin erschrickt fürchterlich, ich zücke die große Kamera, das Känguru und ich beobachten uns mehrere Sekunden lang, bevor es mit einem großen Satz in die richtige Richtung flüchtet.

 

24. Februar: Heute Morgen geht es direkt weiter mit Tiererfahrungen. Einem Tipp unserer Übernachtungs-Nachbarn folgend halten wir an einem Parkplatz am Meer und gehen ein Stück einen Hügel hinauf. In den Bäumen am Straßenrand sitzen tatsächlich einige Koalas. Und jede Menge bunte Papageien. Zufällig kommt eine deutsche Urlauberin mit einer Tüte Vogelfutter des Weges und bietet Antonia von den Körnern an. Sofort haben beide Mädels Papageien auf Kopf und Armen sitzen. Antonia hat einen Heidenspaß beim Vogelfüttern. Als wir gerade gehen wollen, entdeckt Jochen noch einen weit unten im Baum sitzenden, wachen Koala, der sich toll beobachten lässt. Und Valentin, der Angst vor den Papageien hatte, freut sich über einen kleinen Zaunkönig mit leuchtend blauem Köpfchen. Dann fahren wir weiter, denn heute steht ein Abstecher ins Landesinnere auf dem Programm. In dem Kaff Forrest stöbern wir im hübschen Dorfladen, ich kaufe mir einen unverschämt leckeren, saftigen Orangenkuchen, die Kinder bekommen die Lollis, von denen Valentin – warum auch immer – seit Tagen spricht. Auf der Fahrt zum Lake Elizabeth geraten wir in ein Mountainbikerennen, aber vorsichtiger als Jochen kann man nicht fahren, alles geht gut. Am See soll es Schnabeltiere geben. Wir umrunden ihn auf einem Regenwald-Wanderweg, sehen aber nichts als Enten. Der leichte Dunst dieses feuchten Tages, die alten Baumstämme, die noch aus dem See ragen, der sich erst vor 70 Jahren auf natürliche Weise gebildet hat, das Schilf und das dichte Grün am Ufer – das alles verleiht dem Lake Elizabeth etwas Magisches, Schnabeltiere hin oder her. Am Campingplatz jogge ich, quasi als I-Tüpfelchen, noch zu einem Wasserfall, der Rest der Truppe stochert schon mal im Feuer, das hier in ummauerten Feuerstellen explizit erlaubt ist.

 

25. Februar: Nun aber zurück an den großen Ozean! In der Apollo Bay decken wir uns mit Verpflegung ein und fahren zum Cape Otway. Eigentlich wollten wir bis zum weiß leuchtenden Leuchtturm spazieren, doch der ist abgesperrt und kostet jede Menge Eintritt. Bei Ticketpreisen langen sie ganz schön zu, die Aussies! Egal, fahren wir eben zurück, die Koalas im Wald rechts und links der Straße sind ohnehin spannender. Wir sehen mehrere Tiere, bei einem haben wir richtig Glück: Dem Koala scheint sein Ast nicht mehr zu gefallen, deshalb klettert er bis auf drei Meter über dem Boden herunter und von dort einen anderen Hauptast weit hinauf bis zu den leckeren Eukalyptusblättern. Derart viel Action hätten wir von so einem Schlaftier gar nicht erwartet. Was wir nicht finden ist ein passender Picknickplatz, denn an der Hauptstraße wollen wir nicht stehen. Also kurven wir hungrig weiter und landen schließlich in einer Seitenstraße, die tatsächlich einen weit oben im Baum sitzenden Koala und ein ruhiges Vesperplätzchen zu bieten hat. Als wir gerade anfangen zu futtern, tauchen die Leute auf, vor deren Grundstück wir uns platziert haben. Wir erfahren unter anderem, dass sie in einem runden, einer Jurte nachgebauten Haus leben, dass der Koala da oben der einzige weit und breit ist und dass es Richtung Cape Otway so viele tote Eukalyptusbäume gibt, weil dort der Koalabestand zu groß wurde. Mit ein paar Tipps für die nächsten Kilometer im Gepäck ziehen wir weiter, erst an Stränden entlang, dann durch Sumpfland und landen auf einem Campingplatz, auf dessen größter Wiese sich im Abendlicht mehr Kängurus als Camper tummeln. Während sich meine drei Liebsten an diesem Anblick erfreuen, fahre ich noch zu den wenige Kilometer entfernten Zwölf Aposteln (Felsnadeln im Wasser, aber garantiert weniger als zwölf). Der Sonnenuntergang soll hier so schön sein. Aufgrund der unklaren Parkplatzsituation verpasse ich ihn knapp, was aber wohl eher ein Segen ist, wenn ich mir die Unmengen an großteils chinesischen Touristen anschaue, die mir auf dem Weg zum Ausguck entgegen kommen. Relativ allein genieße ich das restliche Licht nach dem Sonnenuntergang und bekomme etwas ganz Besonderes zu Gesicht: Viele Meter weiter unten am Strand formiert sich eine Pinguin-Parade. Immer wieder entsteigen Kundschafter dem flachen Küstenwasser, bis es dunkel genug ist und einer das Signal zum Aufbruch gibt. Dann watscheln mehrere Dutzend Pinguine in einer soldatisch perfekten Kette über den Strand ins Gebüsch.

 

26. Februar: Der Tag der Highligts der Great Ocean Road. Zwölf Apostel, London Bridge, The Grotto und einige weitere eindrucksvolle Felsformationen säumen unseren Weg. Die schroffen gelben Klippen erinnern uns an die Algarve und haben doch ihren ganz eigenen Charme. In Warrnambool machen wir uns im Flagstaff Hill Freilichtmuseum ein Bild davon, wie viele Schiffe mit hoffnungsvollen Einwanderern vor dieser wilden Küste gesunken sind (es sind etwa 80). Der Name Shipwreck Coast ist also mehr als zutreffend. Fürs Abendpicknick fahren wir heute in einen Naturpark an einem Kratersee. Wir essen mitten zwischen Emus und treffen auf der Sonnenuntergangswanderung diverse Hasen und Kängurus.

 

27. Februar: Nun geht es in die Grampians, ein kleines Gebirge mit ganz besonderen Felsformationen. Vom höchsten Berg Mt. William aus (1168m) verschaffen wir uns einen Überblick und schwitzen fürchterlich, denn die Sonne brennt heute erbarmungslos vom Himmel. Deshalb treffen wir in Halls Gap, dem Hauptort der Grampians, eine äußerst sinnvolle Entscheidung: Wir gehen ins Schwimmbad! Abends grillen wir natürlich im Stadtpark, der um diese Uhrzeit von Kängurus bevölkert ist. Wir gewöhnen uns allmählich an den Anblick…

 

28. Februar: Heute erwandern wir uns die schönsten Stellen der Grampians. An einem felsigen, ausgewaschenen Bachbett entlang gelangen wir zu sommerbedingt recht wasserarmen Badegumpen, den Venus Pools und einem ebenso sparsamen Wasserfall. Das fehlende Wasser stört allerdings überhaupt nicht, da die atemberaubenden Felsformationen die volle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Es geht durch den australischen Grand Canyon bis zu einem spektakulären Aussichtspunkt namens The Pinnacles. Auf der anderen Seite des Kamms führt der Weg durch dichten Baumbestand zurück, immer entlang der Wonderland Range. Ja, doch, der Name passt. Abendessen gibt es wieder im Park bei den vielen Kängurus, die diesmal lautstarke Unterstützung durch eine Horde Kakadus bekommen.

 

1. März: Wir haben direkt an einem weiteren Aussichtspunkt übernachtet, doch am Morgen ist die Sicht schlecht. Nach dem Frühstück in Gesellschaft eines Kookaburras brechen wir deshalb auf zum dritten berühmten Ausguck, The Balconies genannt. Doch auch hier: Geländer im Nebel, man sieht keine fünf Meter weit. Der Wetterbericht behauptet, mittags würde es besser, deshalb greifen wir zu drastischen Maßnahmen: Wir wickeln alle Verdunklungsrollos des Klapper-Campers runter, schnappen uns Limo, Gummibärchen und das Tablet und machen Kino. Es läuft: E.T., spannend für groß und klein. Zu spannend für klein, wie sich herausstellt, Valentin bekommt fast einen Nervenzusammenbruch, verfolgt das Geschehen meist mit dem Rücken zum Bildschirm von meinem Schoß aus, lässt sich aber überzeugen bis um Ende zu bleiben, denn er soll ja kein Trauma davontragen. Als er sicher ist, dass alles gut wird, kann er die abschließende Verfolgungsjagd sogar laut lachend genießen. Ja, und danach scheint die Sonne, wir wandern zu den Balconies und fahren zudem zu rot leuchtenden Felstürmen im Norden der Grampians, an denen es uralte Höhlenmalereien geben soll. Es handelt sich vor allem um kindliche Handabdrücke – und der Lehrer neben uns erklärt seiner Schulklasse doch glatt, dass diese menschlichen Zeugnisse 40.000 Jahre alt seien, „achtmal so alt wie die Pyramiden der alten Ägypter.“ Was die hier alles lernen…

 

2. März: Wir sind am Vorabend noch bis Ballarat gedüst, denn da wartet heute ein dickes Programm auf uns, wir wollen den Tag voll ausnutzen. Und schaffen es glatt, um 10 Uhr als Erste am Eingangstor der historischen Goldgräberstadt Sovereign Hill zu stehen. Das riesige Freilichtmuseum ist in mehrerer Hinsicht beeindruckend. Da wäre zunächst der Familien-Eintrittspreis von fast 100 Euro zu nennen. Wirklich toll sind die vielen verkleideten Mitarbeiter, die alle in Gewändern aus der Mitte des 19. Jahrhunderts herumlaufen, der Zeit, als in Ballarat der große Goldrausch begann. Zahlreiche Handwerker, etwa ein Schmied, ein Goldgießer, eine Kerzenzieherin oder ein Wagenradmacher zeigen ihr Können in sehr anschaulichen Vorführungen. Alte Dampfmaschinen und jede Menge Transmissionsriemen treiben voll funktionstüchtige Maschinen an. Und mit einer Bahn kann man in den Untergrund fahren und sich das Leben der Minenarbeiter erklären lassen. Immer an den Quartzadern entlang klopfen! Beim Goldschürfen im Dorfbach finden wir sogar ein paar winzige Nuggets – was für ein reichhaltiger Tag! Nach so viel Action sollte man eigentlich müde ins Bett sinken dürfen. Aber wir müssen noch nach Melbourne, am Folgetag muss bis mittags der Klapper-Camper zurückgegeben sein. Als wir endlich einen halbwegs brauchbaren Übernachtungsplatz haben, dreht Letzterer durch. Irgendwie hat sich eine abartig laute Zusatzlüftung angeschaltet, die nicht ruhig zu kriegen ist. Bei dem Trubel, den die macht, ist in ein paar Stunden die Batterie leer! Also weitersuchen… Schließlich finde ich den magischen Schalter, aber es ist seeehr spät geworden…

 

3. März: Wir frühstücken und packen in einem schönen Waldstück mitten in Melbourne, geben den Klapper-Camper ab, fahren mit der Tram in die Innenstadt und stromern hinter der Kathedrale durch einige coole Laneways. In der AC-DC Lane wird mit drei Originalfahrzeugen und Livemusik Werbung für den bevorstehenden Saisonstart der Formel 1 gemacht. Im Melbourne Museum beeindrucken uns ein 20 Meter langes Walskelett und ein 3D-Film über die Entstehung der Erde. Doof ist, dass der Queen Victoria Market bereits geschlossen hat, als die Tram uns schließlich dort absetzt. Wir wollten unser Restgeld doch in Gruscht investieren, Plüschkoalas und so… Nun ja, gehen wir eben essen damit… Und so landen wir in einem ruhigen, edlen und verboten leckeren indischen Restaurant. Nächste Station für heute (aber nicht wie geplant die letzte) ist der Flughafen. Wieder ein Malheur beim Einchecken – und diesmal kriegen wir die Kurve nicht: Unsere Namen sind nicht auf der Passagierliste. Warum nicht? Weil sie gestern drauf waren. In der Tat hatte ich ursprünglich fest den 2.3. im Kopf. Jochen auch, er hatte den gebucht. Doch dann hat seine Flugmonitoring-App eine Verschiebeinfo geschickt. Und wir haben’s geglaubt. Nie machen! Immer nochmal direkt bei der Fluggesellschaft rückversichern!! Also haben wir gemeinsam einen neuen Flug für den nächsten Morgen gebucht – und ein Viererzimmer im Flughafenhotel. Im Endeffekt war das eigentlich alles viel besser: Der ursprüngliche Flug hatte wegen Systemproblemen riesig viel Verspätung, wir hätten also bis weit nach Mitternacht in der Abflughalle ausharren müssen. So konnten wir ein paar Stunden prima in einem weichen Bett schlafen, gegenüber bei McDonalds frühstücken (leider hat Valentin den Schokodonut wieder von sich gegeben, war wohl noch zu früh für so ne Kalorienbombe), wir durften A380 fliegen, haben jede Menge Essen und Getränke bekommen, und die Kinder sogar bunte Emirates-Taschen. Eigentlich also alles besser. Aber verdammt viel Lehrgeld…

 

 

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